Freitag, 10. Mai 2019

Phasmate Nova (Neugründung)


Mit Nostalgie beseelt, blättere ich durch diese Seiten. Wie viel hat sich doch über die Jahre in diesem Blog angehäuft hat! Zu schade, um ihn einfach auszusetzen. Er soll weiterhin zugänglich sein, um die Erinnerung zu bewahren. 

Dieser Blog ist und war immer ein Spaßprojekt, das sich seinen zentralen Gegenständen (Kultur, Politik, kreative Projekte) eher nebenbei und über-enthusiastisch näherte. Das führte dazu, dass alles ungeordnet veröffentlicht wurde. Alle Interessen, die auch nur temporär meine Aufmerksamkeit erfassten, fanden ihren Weg in diesen Blog. Der Fokus fehlte und das genügte mir irgendwann nicht mehr, zumal ich sowieso nur ein kleines Publikum erreichen konnte. Durch die Bildung, die mir teils an der Universität zu teil wurde und die ich mir teils im Internet selbst aneignete, erschlossen sich mir neue Perspektiven, Verpflichtungen und Ansprüche. 

Dieser Blog steht auch in Verbindung mit persönlichen Beziehungen, die schmerzhaft in die Brüche gingen, und Verfehlungen eines (zugegebener Weise manchmal selbstgerechten) Außenseiters, worunter auch die Begeisterung für dieses Projekt und die Reichweite meiner Stimme litt. 

Ich verwandelte mich von einem unpolitischen und passiven Kirchenkritiker zu einem demokratischen Sozialisten und Anarchisten, der sich nun der Komplexität der Welt bewusst ist und sie mitgestalten will. Daher mag man hier manche Meinung finden, die im Widerspruch zu meinen jetzigen Überzeugungen steht. Das ist nichts Unnatürliches: Denn jeder verändert sich. Damit verknüpfe ich aber nicht nur die Notwendigkeit der Veränderung, sondern (als Gesellschaft und Individuum) auch die Verpflichtung zur Veränderung hin zu mehr Freiheit für die größtmögliche Anzahl an Menschen. 

Marktlogik, saubere Lebensläufe, Selbstoptimierung und Karrierismus erhalten dagegen Unfreiheiten aufrecht, die ungerechtfertigt sind. Der Liberalismus versagt genau dort, wo er Befreiung behauptet und mit externen Zwängen fesselt. Wahre Freiheit ist die Solidarität einer Grundsicherung, von der ausgehend jeder der Gesellschaft etwas zurückgeben kann, das auch wirklich individuellen Talenten und Leidenschaften, nicht ökonomischem Druck, entspringt. Wenn das Leben nur noch aus Konsum und Werbeslogans besteht, während das Klima sich wandelt, Unternehmen immer weniger kontrolliert werden und die rechten Rattenfänger versuchen die allgemeine Verunsicherung in die Verfolgung von Schwächeren umzumünzen, müssen sich mehr Stimmen erheben, die über die linksliberalen Mantras hinausgehen und wirklich etwas zu sagen haben.

Eine zukunftsorientierte, pragmatische und demokratische Linke, die nicht wie Teile der Grünen und SPD ihre Prinzipien opfert, ist hier der Weg. Greta Thunberg, DiEM25, the future left und der Xenofeminismus sind hier meiner Ansicht nach bedeutsame Projekte, die jedoch noch mehr Aufmerksamkeit, Resonanz und vor allem Taten erfahren müssen, ohne sich in den Gräbenkämpfen der Kulturlinken und Neurechten um Political Correctness aufreiben zu lassen. 

Wie leid ich es lange Zeit war, in psychisch angeschlagenem Zustand hören zu müssen: Mach doch einfach!, während in der Gesellschaft viele Probleme brach lagen blieben. Nichts wurde getan. Große Fehler und Dummheiten (Die Privatisierung öffentlicher Güter z. B.) wurden begangen von all denen, die sich so gerne als Macher profilieren. Zizek hat recht, wenn er diagnostiziert, dass die jetzigen Probleme von der Finanzkrise 2008 zu Trump und Brexit, Mietenwahn und kaputte Infrastruktur etc. auf ein Versagen der linken und liberalen Zentren der Gesellschaft, insbesondere der Austeritätspolitik und dem Glaubensbekenntnis zur Alternativlosigkeit, zurückzuführen sind. Die internationale Linke muss sich neu definieren, dabei braucht sie in ihren Überzeugungen keinen Schritt auf die Rechten und Neoliberalen zuzugehen.

Dieser Blog war Ausdruck eines Jugendlichen, der sich der Welt präsentieren wollte, und die Welt durchaus in ihrer Doppelzüngigkeit wahrnahm, ihr aber kaum etwas zu sagen hatte. Das hat sich geändert. Dieser Blog ist ein Zeitdokument. Er soll zeigen, dass Veränderung möglich und nicht alternativlos ist. Ich stehe zu meiner Vergangenheit, ebenso wie ich zu meiner Zukunft stehe. Der Mensch muss handeln, auch wenn er nur ein postmodernes Konglomerat aus Dingen ist - aber vor allem auch diejenigen, die Privilegien besitzen und horten. Der Neoliberalismus hat in seinen utopischen Vorstellungen vom rationalen, eigenverantwortlichen Wohlstand versagt und weigert sich nun das zuzugeben.

Das sind meine Überzeugungen. Der Blog-Kultur fühle ich mich nach wie vor verpflichtet und will meine Begeisterung für diese Form der Öffentlichkeitsarbeit mit einem neuen Projekt (Phasmate Nova) fortführen. Dort will ich mein altes Selbst ablegen und etwas Neues erschaffen.

Soweit so gut. Wenn ihr euch noch für meine Arbeit interessiert, folgt mir auf Social Media; wenn nicht, es war schön sich gelesen zu haben.

Euer LeO Tiresias.

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