Donnerstag, 18. Juni 2015

Jurassic World - Leider etwas verspätet

Michael Crichton und Steven Spielberg werden ins 21. Jahrhunderts übersetzt


Da werden Kindheitserinnerungen wach. Das klopfende Herz als der T-Rex ausbrach. Das Knurren im Starkregen und der Anwalt, der auf dem Klo gefressen wird. Nun zieht "Jurassic Park" in die Moderne. 

Wenn man sich im Internet umschaut, gab es zu "Jurassic World" eher gemischte Kritiken. Die einen sehen darin einen flachen Sommerblockbuster, andere die neu
aufgeflammte Kindheitserinnerung, doch alle scheinen sich einig zu sein, dass es sich um eine würdigere Fortsetzung handelt als ersten beiden Sequels, welche nur auf den "Dino- bzw. Monster-Faktor" bauten.

Mangelnde Ambitionen kann man dem Team um Regisseur Colin Trevorrov jedenfalls nicht vorwerfen. Das Projekt wurde u. a. mit einer gefakten Firmenwebsite des Unternehmens von Simon Masrani (Irrfan Khan) beworben.

Zwei Punkte, die in anderen Kritiken strittig waren, erschienen mir nicht wirklich als Problem. Die Charaktere sind zwar tatsächlich ein wenig clichéhaft zurechtgestutzt, aber werden dennoch glaubhaft und liebenswert inszeniert. Owen Grady (Chris Pratt) mit seinen Raptoren bildet dabei das Herz des Films und bringt Witz ebenso wie Sympathie in den ohnehin schon sehr talentierten Cast. 

Isla Nublar selbst wurde erheblich aufpoliert. Keine holprigen Schienentouren und flimmernde Kastenbildschirme mehr. Kugelfahrzeuge, fahrende Tribünen und Hologramme öffnen den Blick in eine vielleicht nicht allzu weit entfernte Zukunft. Zudem werden Gewissensfragen, Didaktik und Themenkonzepten moderner Zoos Rechnung getragen. Die Gehege erinnern an die Balance zwischen gerechter Haltung, Wissensvermittlung und Nervenkitzel.

Zu guter Letzt optisch ist der Film überwältigend. Am CGI wurde nicht gespart. Die Dinosaurier wurden mit viel Liebe zum Detail in Szene gesetzt. Auch wenn der Film dem Genre nicht wirklich etwas Neues abgewinnen kann (Dinosaurier brechen aus und fressen Menschen). Auch wenn die alten Themen von Michael Crichtons Roman bzw. der klassischen Verfilmung von Steven Spielberg wie wissenschaftliche Hybris und Chaostheorie wieder aufgegriffen werden. 

Die Idee des Hybriden ist zwar erfrischend, aber funktioniert dann doch eher nur reiner Handlungsmotivator, dem das Drehbuch je nach  Situation neue unzusammenhängende Tierfähigkeiten zuschreibt. 

Für Kenner des ersten Teils gibt es eine Menge Déjà-vu-Erlebnisse (Quelle: flickr.com)
Trotzdem sehr zu empfehlen. "Jurassic World" macht einfach Spaß. Es kommt einem nicht vor als hätte man Zeit absitzen müssen, außer man hat zuviel getrunken. Solides Kino mit kleinem Nachdenkfaktor, hohem Unterhaltungswert und viel "Eye-Candy", Dino-Nostalgie und Jurassic-Park-Anspielungen.

@LeO
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