Freitag, 12. Juni 2015

Kritik: The Hunger Games - dt. Die Tribute von Panem. Tödliche Spiele - Suzanne Collins (Roman)

Teenager-Gladiatoren und Arenaspiele

(Quelle: MMSC10, auf deviantart.com)

Dystopien und Teenie-Romane sind hoch im Trend. Seit J. K. Rowling Millionenweitwurf haben viele AutorInnen sich darum bemüht sich von der Erfolgswelle um die britische Autorin und ihrer "Young-Adult"-Leserschaft zu profitieren. Suzanne Collins hat ihrer Roman-Trilogie jedoch einen Meilenstein ins Feld gesetzt, der es mit Jennifer Lawrence in der Hauptrolle momentan im Kino läuft. 

Die Romane sind allerdings sehr viel realitätsgetreuer als die Filme. Der Leser begleitet Katniss Everdeen, die sich bei der Ziehung anstelle ihrer Schwester zu den jährlichen Hungerspielen freiwillig meldet und Peeta Mellark in die Arena, wo sich jährlich Jugendliche zwischen 12 und 18 zum Vergnügen einer dekadenten Oberschicht gegenseitig abschlachten müssen. Man nimmt an ihrem Schmerz und ihren zerrütteten Gefühlen teil.
(Quelle: flickr.com)

Die Welt von Panem, die ein Amerika in ferner Zukunft widerspiegelt, ist dabei durchdacht, mit eigener Mythologie und Geschichte verwoben und orientiert sich an Genre-Klassikern wie Stephen Kings "The Running Man" und dem japanischen Splatterfilm "Battle Royal". In den Distrikten und dem Kapitol sieht man sich mit der enormen Kluft zwischen Überlebenswirtschaft und futuristischer Individualgesellschaft konfrontiert, zwischen Unterdrückung und Sensationsjagd.

Alan Moore sagte einmal, dass die härtesten Dystopien nicht von der Zukunft, sondern von der Gegenwart handeln würden. So erkennt man recht schnell die harsche Kritik an der modernen Medienlandschaft mit ihren verstellten und gemalten Gesichtern, ihren idealen Körpern und reinen Lächeln.

In den Hungerspielen kann man nicht nur eine Anspielung auf die römische Gladiatorenkultur und Dekadenz sehen, sondern auch eine Überspitzung unserer Casting-Shows, der "Scripted"-Reality und Pseudo-Berühmtheit, welche sich nicht darum schert wie ein Mensch hinter der Fassade aussieht, solange er diese aufrecht erhält. Die eiserne Regel des Funktionierens, der Katniss und Peeta am Ende der Spiele in genialer Weise den Spiegel vorhalten.

Spannend, elegant geschrieben aus der Perspektive eines starken weiblichen Figur, mit komplexen, liebevoll gestalteten Charakteren und tiefgreifender Symbolik. Eine gelungene Erzählung, nicht nur für junge Mädchen.

@LeO
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