Freitag, 10. April 2015

Top 10 Comics/Graphic-Novels

Comic-Kritik, die Graphic-Novel


Es ist schade, dass Comics meistens nur in Relation zu ihren Verfilmungen gesehen werden und die Verfilmung egal wie schlecht sie sind doch immer populärer sind als die Werke, auf die sie sich berufen.

Im Anschluss an meinen Alan-Moore-Artikel habe ich die Comics oder auf Neudeutsch "Graphic-Novels" zusammengestellt, die ich nur empfehlen kann. Diese Werke schöpfen aus den Möglichkeiten, die das Comic-Medium im Gegensatz zum Film bietet. Sie verdienen allesamt als literarisch gesehen zu werden und an der Spitze zu stehen. 
Doch wie sagte der Highlander? Es kann nur einen geben! Los geht's ...

10. The Walking Dead (Robert Kirkman / Tony Moore)
Der Stoff der Graphic-Novel inspirierte nicht nur eine erfolgreiche Fernsehserie, sondern auch ein Computerspiel (Quelle: flickr.com)
Wir starten mit der Apokalypse. Die Zombie-Comics sind wohl am besten bekannt geworden durch die qualitativ hochwertige und spannende Fernsehserie von AMC. Natürlich spritzt ordentlich Blut und natürlich folgen wir hier dem Kadaverhumor der alten Romero-Filme. Im Mittelpunkt steht allerdings die Verrohung der Charaktere einer Welt, in der nur noch der Überlebenstrieb abseits von Kultur und Moral wichtig erscheint. Nach einer Weile fragt man sich, wen die wandelnden Toten im Titel eigentlich meinen. Kann Mensch sich dann noch Mensch nennen? Was unterscheidet ihn noch vom Tier?

Eine lesens- und sehenswerte Adaption, die sich bei der Umsetzung des Untotenstoffes Gedanken jenseits von Splattereffekten und Kannibalismus zu machen ...

9. Death Note (Tsugumi Ohba / Takeshi Obata)
(Quelle: Wikimedia)

Den nächsten Platz belegt DIE Mangareihe. Das Werk von Tsugumi Ohba und Takeshi Obata wurde sowohl als Anime auch als Realverfilmung adaptiert. Inhaltlich geht es um den Todesgott (Shinigami) Ryu, der ein "Death Note" in die Menschenwelt fallen lässt. Aus Langeweile. Der Leser ahnt bereits Böses, als Yagami in den Besitz des Notizbuchs gelangt und sich zum Gott einer neuen Weltordnung - Kira - erklärt. Seine Nemesis findet er in dem Weltklassedetektiv "L" und das tödliche Katz-und-Maus-Spiel um die jeweilige wahre Identität des Anderen nimmt seinen Lauf.

Eine packende Geschichte über die Korruption durch Macht ...

8. Kick-Ass (Mark Millar / John Romita Jr.)
(Quelle: Deviant-Art, Künstler: Kagehiisa)

Der nächste Kandidat spielt wieder mit dem Humor, auch wenn sich die Comic-Vorlage weniger romantisch zeigt als die Verfilmung. Eine Persiflage auf die Welt des 21. Jahrhunderts, ihre Medien, Patchworkfamilien und die Nerd-Kultur.
Ein Teenager steigt mit Gummianzug und Schlagstöcken bewaffnet zum Internethit auf. Dann trifft er allerdings auf richtige maskierte Rächer und gerät zwischen die Fronten in einen durch Rache motivierten Kampf gegen die Kriminalität.

Aberwitzig mit viel schwarzem Humor und einem kleinen Mädchen, das im Alleingang Gangster erledigt. Gibt's noch was zu sagen?







7. Sandman: Fabeln & Reflexionen (Neil Gaiman)

(Quelle: flickr.com)
Magisch und mystisch zeichnet sich der nächste Titel auf dieser Liste aus. Neil Gaiman bewies seinen Hang zur Groteske und Magie bereits mit "Coraline" und "American Gods". In der Sandman-Reihe beschreibt er die Abenteuer des außerdimensionalen Wesens "Dream" bzw. Morpheus, der griechische Gott der Träume. Kameo-Auftritte unterschiedlichster historischer, mythologischer und fiktionaler Charaktere miteinbegriffen.

Ein Muss für jeden verträumten Anhänger der griechischen Mythologie und düsterer Märchen.





6. Blau ist eine warme Farbe (Julia Maroh)
Lea Seydoux spielte Emma im Film (Quelle: Wikimedia)

Um die Liebe geht es in der nächsten "Graphic-Novel" aus Frankreich. Wir verlassen die Sphäre der Fantasy und Superhelden für einen Moment und widmen uns dem Leben von Clementine (in der Verfilmung Adele), die sich in die mysteriöse Emma mit ihren blauen Haaren verliebt. Die Geschichte wurde für einen umstrittenen, aber qualitativ gelobten Film auf der großen Leinwand adaptiert, und bietet nicht nur Ermutigung für homosexuelle Paare, sondern eine politische, dramatische und witzige Erzählung in Bildern.

Für Freunde heiterer und erotischer Dramatik nur zu empfehlen ...




5. From Hell (Alan Moore / Eddie Campbell)

(Quelle: blogspot.com)
Wir nähern uns der Halbzeit und sehen den ersten Alan-Moore-Titel und wahrscheinlich die umfangreichste und ästhetisch anspruchsvollste Umsetzung des "Jack-the-Ripper"-Stoffes, die jemals geschrieben wurde. "From Hell" meistert den Spagat zwischen historischer Authentizität und künstlerischer Erzählweise. Im Zentrum steht eine realistische Darstellung der viktorianischen Gesellschaft in all ihrer Ungerechtigkeit und Komplexität.  Das Leben der Prostituierten wird ebenso angesprochen wie die Einblicke in den Wahnsinn des William Gull wie aristokratische Intrigen und Freimaurerlogen, das viktorianische London und seine Klassengesellschaft und die Leben der anderen Verdächtigen, deren Namen oft in Verbindung mit "Jack the Ripper" genannt werden.

Die filmische Adaption sollte man übersehen, sie wird der Vorlage in keinster Weise gerecht.

4. V for Vendetta (Alan Moore / David Lloyd)
Anonymous-Aktivist mit "Guy-Fawkes".Maske (Quelle: Wikimedia)

Wenn Alan Moore über "V wie Vendetta" spricht, redet er davon, dass dystopische Sci-Fi nicht von der Zukunft handelt, sondern von der Gegenwart. Entstanden ist die Geschichte zur Zeit von Margaret Thatcher und dem Rechtsruck in der englischen Politik. Inhaltlich geht es um England, das nach dem Ende des dritten Weltkrieges von Faschisten regiert wird, die einen "1984"-Überwachungsapparat installiert haben. Zusammen mit Evey Hammond begleitet der Leser "V" bei seinem rücksichtslosen Rachefeldzug um die Niederringung der Diktatur.

Die filmische Adaption ist zwar technisch gut umgesetzt, die Tiefe der Vorlage wird jedoch komplett verfehlt.

3. Maus (Art Spiegelman)
Maus als politisch-historischer Comic (Quelle: flickr.com)
Die Verarbeitung der schlimmsten Verbrechen gegen die Menschheit ist in keinem Medium leicht. Es ist diese "Graphic-Novel", der es gelingt das Unverstellbare in leichter verdauliche Happen zu präsentieren. Art Spiegelmann erzählt die Geschichte seines Vaters, einem KZ-Überlebenden, in der Form einer Fabel über Katzen und Mäuse. Trotz ihrer Simplifizierung sind die Bilder intensiv und bedrückend und reflektieren ohne Euphemismus zu welch schrecklichen Taten die menschliche Natur fähig ist.

Ein historisches Lehrstück, kunstvoll inszeniert und spannend erzählt.

2. The League of Extraordinary Gentlemen (Alan Moore / Kevin O'Neill)

Illustration zu Wells' Krieg der Welten (Quelle: Wikimedia)
Zurück ins viktorianische England geht es mit der "Liga der außergewöhnlichen Gentlemen", den "Avengers" der Literatur des langen 19. Jahrhunderts. Es wird so episch erzählt wie es sich anhört.

Allein der Beginn des ersten Bandes an der Baustelle einer großen Stahlbrücke strahlt mit der Liebe zu Detail, Ausdruck und Stil, wo wir in cineastischer Tiefe mit Campion Bond, dem Ahnen des legendären 007 und Handlanger eines mysteriösen M, und Mina Murray, die geschiedene Harker aus Bram Stokers Dracula, bekannt gemacht werden. Sie sollen ein Team aus außergewöhnlichen Persönlichkeiten etwa Allan Quatermain, Captain Nemo, Jekyll und Hyde sowie Hawley Griffin zusammenstellen.



Eine Neuinterpretation der kultigsten Figuren aus der Anfangszeit der Popkultur, mit denen jeder schon einmal in irgendeiner Weise in Berührung gekommen ist. Nicht nur für Liebhaber von Steampunk und der Literatur des 19. Jahrhunderts interessant.

1. Watchmen (Alan Moore / Dave Gibbons)
(Quelle: Wikimedia)

So hier sind wir an der Spitze angekommen, bada-bumm-tsss!

Wer hätte es anders erwartet! Es ist nunmal die "Graphic-Novel", die den Superhelden für immer veränderte und nicht nur das. Alan Moore und Dave Gibbons formen mit Liebe zum Detail, Abstraktion und Intertextualität eine düsteres Paralleluniversum um die Zeit des kalten Kriegs.
Mit Hilfe des Superwesens Dr. Manhattan gewann Amerika den Vietnamkrieg und Nixon ist in seiner dritten Amtszeit. Das Ensemble einer ganzen Reihe von Charakteren, die traditionelle Superheldenklischees auf den Kopf stellen, versucht eine mysteriöse Verschwörung auf den Grund zu gehen, die ihre moralische Standfestigkeit auf die Probe stellen wird.

Schlichtweg ein Meisterwerk, das jeder Comic-Fan gelesen haben sollte. Die Geschichte schöpft die Mittel des Mediums komplett aus und beschäftigt sich mit philosophischen, wissenschaftlichen und politischen Elementarfragen der menschlichen Existenz in einer immer komplexer werdenden Welt.

Auch erwähnenswert:

Hellboy (Mike Mignola)

(Quelle: flickr.com)

Die Abenteuer eines ungewöhnlichen paranormalen Ermittlern mit einer Reihe illustrer Charaktere, die auch in den beiden Filmen von Guillermo del Torro überzeugen.

Batman: The Killing Joke (Alan Moore / Brian Bolland)
Heath Ledgers Darstellung begeisterte Fans und Kritiker (Quelle: flickr.com)
Alan Moores Versuch dem Joker und dem Batman-Universum einen noch tieferen Charakter zu verleihen. Dieser kurze Comic ist unter anderem die Hauptinspiration für die Darstellung Heath Ledgers in Christopher Nolans "The Dark Knight".

Swamp Thing (Alan Moore / Stephen Bissette / John Totleben)
(Quelle: Wikimedia)

Ein Franchise, das eher am Rande des DC-Universums stand, aber unter neuer Regie eine verblüffende und makabre Tiefe erlangte, die Themen wie die Umweltverschmutzung, Okkultismus und Mythologie aufnimmt. Der Charakter John Constantine, der später mit "Hellblazer" sein eigenes Franchise bekam, hätte hier seinen ersten Auftritt.

Der dunkle Turm (Stephen King)
(Quelle: flickr.com)

Die einzige Buchadaption auf dieser Liste, doch die graphische Umsetzung der Vorgeschichte des Revolvermannes Roland wird der epochalen Romanreihe gerecht. Vor allem der graphische Stil verleiht der Endzeitgeschichte eine ganz neue ästhetische Perspektive.

@LeO

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