Freitag, 20. Februar 2015

Kritik: Jupiter Ascending

Star Wars 2.0, nur esoterischer ?




Über den neuen Streifen der Wachowskis kann man geteilter Meinung sein. Als Space-Opera funktioniert der Film, als Studie mit charakterlichem und philosophischem Tiefgang nicht.

Inhaltlich geht es um das Mädchen Jupiter Jones (Mila Kunis), das sich plötzlich in einem internen Machtkampf einer mächtigen außerirdischen Familie wiederfindet. Die Erben eines genetisch-industriellen Großreiches Balem (Eddie Redmayne), Kalique (Tuppence Middleton) und Titus (Douglas Booth) kämpfen um die Vorherrschaft. Als genetisches Duplikat der verstorbenen Mutter gerät Jupiter Jones schließlich zwischen die Fronten und muss sich durch ein Netz aus Intrigen, spätrömischer Dekadenz, Science-Fiction-Folklore und Offenbarungen winden. An ihrer Seite stehen die genetisch veränderten Krieger Caine (Channing Tatum) und Stinger (Sean Bean).


Aufnahme vom Jupiter, der im Film nicht nur als Name der Protagonistin eine große Rolle spielt (Quelle: Wikimedia)
Als Filmkenner merkt man sehr schnell, wohin ein Großteil des Budget geflossen ist. Die optischen Effekte sind beeindruckend. Atemberaubendes CGI trifft auf Sets und Kostüme, die mit Sci-Fi-Klassikern wie Star-Wars mithalten oder angesichts der technischen Möglichkeiten sogar übertrumpfen können. Man hat selten einen so flüssiges 3D erlebt, das die überwältigende Imposanz der Raumschiffe und futuristischen Umgebungen einfängt.

Was der Film in der visuellen Kunst umsetzt, fehlt an anderer Stelle in den Dialogen, den Charakteren und den Schauspielern. Ich möchte nicht meckern, aber der Film hätte deutlich besser gewirkt, wenn man die beiden Hauptrollen Jupiter Jones und Caine mit guten Schauspielern besetzt hätte. Außerdem klingen viele Dialoge gezwungen und die Charaktere entsprechen Klischees und überziehen diese teilweise sogar ins Lächerliche.

Die Wachowski-Geschwister bei einem Interview zu "Cloud-Atlas" (Quelle: Wikimedia)

Auch wenn der Film nicht an seine Vorbilder "Dune" und "Blade Runner" nicht einmal annähernd herankommt, vermittelt er doch einen breiten Grad an Intertextualität. Von esoterischen Bezügen zur Bibel und der griechischen Mythologie bis zum klassischen Außerirdischen der 50er Jahre wird alles irgendwie aufgegriffen. Zusätzlich gibt es gesalzene Kritik an kafkaesker Bürokratie und aristokratischem Kapitalismus.

Man erkennt viel Herzblut in diesem Projekt und die Liebe zum Detail, der Science-Fiction und der Mythologie, was "Jupiter Ascending" durchaus zu einem guten, aber nicht zu einem großartigen Film machen. Optisch ist es eine Weiterentwicklung des Wachowski-Stils, der schon in Cloud-Atlas erkennbar war, inhaltlich aber ein Rückschritt.

Matrix wird wohl noch eine Weile ihr Kronstück bleiben....

@LeO
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-  Jupiter Ascending auf filmstarts.de
- Urteil "Überfrachtet" auf diepresse.com
- Die Hintergründe

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