Donnerstag, 12. Februar 2015

Kritik: Birdman oder (die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) (Orig. Birdman)

Don Quijote in der Filmindustrie




Endlich bin ich auch einmal dazu gekommen die viel gelobten und für die Oscars hochgehaltene Satire über das moderne Hollywood zu sehen. Das Meisterstück läuft leider nicht in allen deutschen Kinos und wie bei allen synchronisierten Realfilmen empfehle ich auch hier die Originalfassung in Englisch.

Inhaltlich entführt uns der Film in die abgewrackte Gedankenwelt des Superheldendarstellers Riggan Thomson (Michael Keaton), der eigentlich nur als Charakter-Schauspieler respektiert werden will Deswegen stellt er zusammen mit seinem besten Freund und ruchlosen Produzenten Jake (Zach Galifianakis) ein Broadway-Theater-Projekt auf die Beine, das ihn aus seinen existenziellen Zweifeln befreien soll.

Doch während die Uraufführung immer näher rückt, entwickeln sich auch immer neue Konflikte. Dabei setzen Thomson sowohl der arrogante Vollblutschauspieler Mike Shiner (Edward Norton) als auch die familiären Probleme mit der aus einer Auszugsklinik kommenden Tochter Sam (Emma Stone), der Freundin und Kollegin Laura (Andrea Riseborough) und der Ex-Ehefrau Sylvia (Amy Ryan) zu.

Regie führte Alejandro González Iñarritu genauso wie er auch das Drehbuch schrieb: Verrückt und mit einem unkonventionellen Erzählstil. Das ist sicher nicht für jedermann etwas, aber es funktioniert. 

Die Geschichte setzt weder auf Action noch auf billige Lacher, viel mehr wird der Zuschauer zum Nachdenken angeregt. Jedes Set ist bis aufs kleinste Detail durchdacht, jeder Dialog auf mehreren Ebenen interpretierbar. Sprache und Bild werden permanent ineinander gespiegelt.

(Quelle: 20th Century Fox - Presse-Service)

"Ich betrachte ihn als eine Art Don Quijote, dessen Komik aus dem Missverhältnis, dem permanenten zwischen seinen hohtrabenden Absichten und der trivialen Wirklichkeit, die ihn umgibt, entsteht. Im Grund ist es die Geschichte von uns allen." 
- Alejandro G. Iñarritu über seine Hauptfigur Riggan Thomson




Geeint werden die Bilder durch einen konstanten schwarzen Humor und einem philosophischen Grundton, der sowohl die triviale Popkultur unserer Tage als auch die hochintellektuelle Arthaus-Fraktion aufs Korn nimmt. Die Absurdität der Bildsprache ist dabei ein absolutes Highlight und meistert die Gratwanderung zwischen Lächerlichkeit und Tiefe in jeder Szene aufs Neue. 

Das Ergebnis ist ein Streifen wahrer Kinokunst, ebenso wie eine bissige Satire auf Kulturkapitalismus in der Filmindustrie und die Überheblichkeit der bildungsaffinen Kulturkritik.

@LeO
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