Freitag, 30. Januar 2015

Sunglasses, Anarchy and Bubble-Gum

Kami


Sunglasses, Anarchy and Bubble-Gum

Mal wieder am Zeichentisch tätig gewesen: Dieses Mal Bleistift mit Tuschestiften ausgearbeitet. Kami ist der Charakter meiner Kurzgeschichten und meines Fortsetzungsromans hier in diesem Blog.  Sie ist eine unsterbliche Hexe, die den Glauben an das Gute im Menschen über die Jahrhunderte verloren hat. Den Wirren der chaotischen Welt von Magie und Emotionen begegnet sie mit einem zynischen Sarkasmus, aber gibt nie auf gegen das Böse zu kämpfen.

Die Geschichten sind in der Art einer Mystery-Serie aufgebaut. Es geht um Urban-Fantasy, also das Paranormale in unserer modernen Welt. Vorbilder waren u.a. Stephen King, Akte X, Hellboy, Die Wächter-Reihe von Sergej Lukianenko und John Constantine.

Mythologie und Zauberei hat mich schon immer fasziniert. In unserer realen Welt begegnen wir ihnen nur in der Kunst oder in Form der optischen Täuschungen. Magie und Okkultismus sind Symbole für Macht und Parabeln für philosophische Fragen und als solche absolutistischen Religionen überlegen, weil sie viele Probleme abseits eines Gut-Böse-Schemas darstellen und keine Dogmen formulieren.

Einen Einblick und die vollen Stories zum Download stehen in Zukunft hier zur Verfügung :)

Sunglasses, Anarchy and Bubble-Gum!
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- Okkultismus
- Magie
- Alan Moore zu den Ursprüngen und die philosophische Interpretation von Magie





@LeO

Dienstag, 27. Januar 2015

Im Auge des Sturms

Im Auge des Sturms



Ich trat ein in das Gleichgewicht der Kräfte
Ich folgte ihr zum Zentrum unseres Herzschlags
Von den Wellen unsere Träume getragen

Im Auge des Sturms


@LeO

Donnerstag, 22. Januar 2015

Kami

Kami - Episode 1 "Eine offene Rechnung"


Hoffnungen, Pläne, Illusionen sind Verjüngungsmomente des Lebens. Es sind Morgenröten, deren Glanz immer wieder bezaubert.”
Martin Kessel, dt. Schriftsteller (1901-1990)


Florian Rankenstein war kein Mann, der Angebote verkommen ließ. Lifestyle-Magazine hätten ihn wohl als Lebemann beschrieben. Sein Nadelstreifenanzug saß perfekt, maßgeschneidert. Er sah die Welt durch den grauen Schleier eines PKW-Fensters und dachte an seine Frau. Wenn er gegen 18:00 von der Arbeit kam, würden sie essen, anschließend etwas fernsehen und wenn die Kinder schliefen ihre Ehe auskosten. Die treibende Verlockung der täglichen Routine.
Wie ein Balsam legte sich der Schatten der hohen Glashäuser auf seine Augen. Die Anstrengung der letzten Woche war vergessen. Diese Journalistin, die sich Magnolia nannte. Ein hartnäckiger Fisch. Mehr als einmal hatte er sich verplappert. Es waren irrelevante Dinge gewesen. Gott mochte das 21. Jahrhundert segnen für all die Verschwörungstheorien, die nichts aufdeckten, sondern halfen Wahrheiten in einem Meer aus exotischer Extravaganz zu ertränken. Der wirre Cocktail aus Farben, in der die Realität als die unattraktivste Komponente von allen erschien.
Im Schritttempo schlängelten sie sich zwischen Glastürmen und -kästen durch die Stadt. Ihr Ziel lag in einer der Seitenstraßen. Der Kompass tickte auf seinem Kurs durch die Zeit und er fühlte kein Verlangen in diese Reise einzugreifen.
In der Mittagspause hatte sein Handy geklingelt. Rankenstein erwartete das Treffen mit einem neuen Geschäftspartner. Ratternd kam der Motor auf einem Parkplatz zum stehen.
Wie lange wird das Meeting dauern, Herr Rankenstein?”, fragte der Fahrer.
Ein bis zwei Stunden, vielleicht drei.”
Seine Schätzungen waren nie falsch. Er knöpfte das maßgeschneiderte Jackett zu und warf einen besorgten Blick zum grauen Himmel. Der Wind war kalt, selbst im Herzen der Zivilisation.
Eine breite Fensterfront gab einen dürftigen Blick in das chinesische Interior frei. Stuckdrachen vergoldeten die Säulen am Eingang des Restaurants. Die Wärme hüllte ihn mit Bratgerüchen ein. Er stand vor einem Aquarium, in dem Koikarpfen schwebten. Eine Frau mit asiatischen Zügen lächelte ihm zu und fragte nach einer Reservierung.
Rankenstein. Ich hatte einen Fensterplatz bestellt.”
Der Blick nach draußen war ihm wichtig, um frei denken zu können.
Der andere Herr ist bereits eingetroffen”, zögerte die junge Frau. “Allerdings bestand er auf einem Raum im inneren Kreis. Tut mir Leid.”
Stirnrunzelnd versicherte Rankenstein der Kellnerin, dass das kein Problem sein würde. Es kam vor, dass Geschäftspartner auf einen anderen Tisch bestanden. Es war Teil dieser Machtspielchen reicher Männer. Rankenstein hatte gelernt damit umzugehen und sie zu seinen Gunsten zu nutzen. Ein Löwe war nur dann gefährlich, wenn man das Tier einem hungrig begegnete. In die hölzerne Trennwand hatte man eine gepolsterte Bank eingelassen über Hydrokulturen mit Zierbambus, um neugierige Blicke von den äußeren Tischen zu umgehen.
Sie sind spät dran.”
Ein Löffel schabte auf blau-weißem Porzellan. Suppe tropfte zurück, gefolgt von einem schlürfenden Geräusch. Rankenstein setzte sich gegenüber der Gestalt im schwarzen Mantel. Ein Hut verschleierte den Blick in sein Gesicht. Nervosität stieg in ihm auf wie Galle nach einer durchzechten Nacht.
Sie sind der Kontakt von Morpheus?”
Die verhüllte Gestalt sagte nichts und schob ihm einen Zettel zu. In diesem Moment kam die Kellnerin. Als Taktiker bestellte Rankenstein dieselbe Suppe wie sein Gegenüber und eine Frühlingsrolle. Als die Kellnerin in die Küche verschwand, öffnete Rankenstein das zerknitterte Papier. Er fröstelte. Es stank nach Rasierwasser.
Ich bin Morpheus.”
Äh … ja”, erwiderte Rankenstein. “Am Telefon sagten sie etwas über ein Artefakt von großem Wert, das sie interessiere. Meine Sammlung umfasst viele solcher Stücke.“
Er musterte die vermummte Gestalt. Die Form der Hände waren das einzige, was als menschlich herausstach. Die Haut wirkte bizarr wie die eines Monsters aus Gummi. Rankenstein spürte die kühlende Nässe auf seinem Rücken, als er sein Jackett auszog. In dieser Kleidung musste Morpheus schwitzen wie ein Schwein.
Wir haben uns schon einmal getroffen, Herr Rankenstein.”
Suppe tropfte vom Löffel zusammen mit einem größeren Shitake-Pilz. Die Suppe spritzte auf die Tischdecke und den Mantel des Unbekannten. Mit einem hageren Daumen wischte er den Fleck vom Stoff.
Damals trugen sie einen anderen Namen und hatten eine anderen Ruf”, sagte er.
Ich weiß nicht, wovon sie reden”, sagte die Maske des Geschäftsmannes.
Er lockerte den Knoten seiner Krawatte.
Vor einer halben Ewigkeit war der Gegenstand im Besitz einer Frau, die sich Annabelle Bourdeux nannte. Sie missbrauchte ihn für ihre eigenen Zwecke. Dafür wurde sie bestraft und gebrandmarkt. Das Artfakt wurde ihnen übergeben. Dafür, dass sie es sicher verwahrten, gaben wir ihnen die Erlaubnis es bei ihren Experimenten zu nutzen. Auch wenn es sich um Fehlschläge handelte. Wir dachten, sie hätten ihre Lektion gelernt, Herr Rankenstein.”
Er schob sich einen Löffel Suppe in den Mund. Der Vorstoß überraschte Rankenstein.
Der Stein ist sicher. Sie wird ihn nicht finden. Ich habe ihr kaum mehr gegeben als eine Legende”, sagte er. “Nichts weiter als eine Geschichte.”
Es klirrte, als der Löffel auf Porzellan traf.
“Der Stein ist das Herz eines alten Gottes”, sagte der Fremde. “Sie wissen, wer und was sie ist. Eine Närrin. Sie hat aus Sentimentalität einem Schwarzmagier die Gabe der Unsterblichkeit geschenkt. Es heißt auch er ist auf der Suche nach dem Artefakt.”
Es klirrte als er den Löffel in den Suppenteller legte. Rankenstein schluckte. Er wusste wer dieser Mann war. Das Gesicht der Reporterin kam ihm in den Sinn.
S-Sie ist im Ruhrgebiet”, sagte er und schluckte, um seine Stimme zu beruhigen. “Es war dieses Reportermädchen, nicht wahr? Magnolia war ihr Name, glaube ich, nicht Annabelle.”
Lassen sie mich ihre Situation erklären. Die großen Sieben fechten ihre kleinen Kriege auf dieser Welt aus. Sie beeinflussen Menschen, bestechen sie durch Versprechen, aber kümmern sich keinen Deut darum, ob sie leben wollen oder durch Dummheit zu sterben gedenken. Doch ein solches Artefakt ist zu mächtig. Es birgt die Macht Tote zum Leben zu erwecken und eine Brücke zu jenen Wesen zu schlagen, die hinter dem Vorhang dieser Welt warten. Wenn man sich ihnen in den Weg tritt, vernichten sie denjenigen, der nicht unter dem Schutz eines der Ihren steht.” Morpheus faltete seine Hände zu einer Pyramide.
Annabelle weiß das. Sie steht unter dem Schutz von Upisce. Sie hofft sich etwas erkaufen zu können, indem sie die Interessen unserer Meister gegeneinander ausspielt. Ich habe sie gewarnt, Rankenstein, wir haben sie gewarnt. Dennoch plapperten sie. Dank ihnen ist das Herz von L'trilobita nicht mehr sicher.”
Es gibt viele magische Artefakte. Was spielt das für eine Rolle? Sie wird den Stein nicht finden, das habe ich ihnen versprochen.”
Rankenstein fühlte sich, als würde seine Kehle austrocknen. Es war als wurde sich die Welt um ihn herum schließen wie ein dunkler Schleier. Ein Vorhang, der die Sonne darin hinderte durch die Fenster des Lebens zu dringen.
D-Die Information war wert - wertlos, bitte”, sagte Rankenstein und Trauer und Verzweiflung floss wie Wasser in einen Ballon, der zu platzen drohte.
Sie wird den Stein nicht finden. Er ist be-beschützt.”
Sie ist in der hohen Kunst bewandert, Rankenstein”, sagte Morpheus. “Und sie wissen, was das bedeutet.”
Der Wille zu leben blutete aus ihm heraus und wurde durch den Traum von einer Insel abgelöst. Dort blühten Kirschbäume und Marie saß auf einer Bank und las den Kindern eine Geschichte vor.
B-Bitte … ich helfe ihnen … ich …”, sagte er und die Schwäche ließ ihn kopfüber in seinen Teller kippen. Suppe schwappte auf die Tischdecke und hinterließ tränkte den rosa Stoff mit Brühe. Der Unbekannte nahm noch einen Löffel von der Suppe.
Der Tod holt uns alle ein. Selbst diejenigen, die die den Tod betrogen. Irgendwann. Das ist das Gleichgewicht der Kräfte, das dieser Welt zugrunde liegt”, sagte er und wischte sich die Finger mit einer Serviette ab. “Sehen sie es als eine beglichene Rechnung.”

Neben einem ordentlichen Trinkgeld hinterließ Morpheus nur den Zettel. Eine Mohnblume mit schwarzen Flügeln.

[...]

Das volle Dokument findet ihr hier zum Download, da mich Google keine PDF's hochladen lässt und ich euch keine 27 Seiten am Screen zumuten möchte. 

Falls jemand eine elegantere Lösung kennt, lasst es mich wissen. Ladet es euch herunter, druckt es euch aus und lasst mich wissen, ob es euch gefällt ;)

@LeO
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Dienstag, 20. Januar 2015

Haiku-Time

The Great old one



What are these monsters
Creatures moving in shadows
The sting that drives us mad

Eyes blinded from truth


@LeO

Sonntag, 18. Januar 2015

Kritik: The Town - Stadt ohne Gnade



Es klingt nach einem 08/15-Actionfilm. Ben Affleck spielt in diesem rasanten Thriller Hauptrolle und Regisseur zu gleich und beweist abermals, dass er in beiden Positionen durchaus Talent besitzt. Bei "The Town" handelt es sich nicht nur um einen visuell beeindruckenden Thriller, sondern auch um eine tiefe Charakterstudie von organisierter Kriminalität und Beziehungen in der Unterwelt. Klischees und Oberflächlichkeit werden vermieden. Die Bankräuber werden als Menschen repräsentiert, deren Handlungen man nachvollziehen, wenn auch nicht verstehen mag.
Der Inhalt versetzt uns in die Unterwelt von Charlestown, Boston, und dreht sich um die Bande von Doug MacRay (Ben Affleck), die für den als Blumenhändler getarnten Crime-Lord Fergie (Pete Postlethwaite) Banken ausraubt. Das Klima wird angeheizt durch den determinierten FBI-Agenten Adam Frawley (Jon Hamm), der alles dafür tut um die Bande festzusetzen und dafür auch nicht vor psychologischem Druck und Drohungen zurückschreckt. Bald stellt sich heraus, dass Doug genau wie sein Vater ein Gefangener dieser Schattenwelt ist, in die er geboren wurde und aus der er sich nur schwer herauszukämpfen vermag. Zudem sorgen die Stockholm-Syndrom Beziehung von Doug und Claire Keesay (Rebecca Hall) und die eiserne Brüderlichkeit zwischen MacRay und James "Jem" Coughlin (Jeremy Renner) für Konflikte.
Die Charaktere und die Bilder tragen diese tragische Geschichte über Freundschaft, Verrat, Liebe und Willen. Der Film vermittelt - in der Tradition der Martin Scorsese-Filme, aber mit düstererem Touch -einen tiefen Einblick in die Strukturen und Beziehungen innerhalb einer mafiösen Organisationen und versucht Antworten auf Fragen zu finden, warum Menschen in die Kriminalität abgleiten und ob sich da wirklich eine klare Grenze zwischen Gut und Böse gibt.

@LeO
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Der Film: The Town
Kritik auf MovieMaze
Interview mit Ben Affleck zum Film
- Boston und Charlestown
- Hintergrund: Irische Immigration in die USA und Kriminalität durch Armut

Freitag, 16. Januar 2015

Organische Götter. Gedankenwelten - Teil I

Organische Götter

Qualle. Aufgrund des Designs seiner Monster wird oft vermutet, dass Lovecraft neben Xenophobie auch einen Ekel vor Meeresgetier in seinem Werk verarbeitete.
The oldest and strongest emotion of mankind is fear, and the oldest and strongest kind of fear is fear from the unknown“H. P. Lovecraft (1890-1937)
Im Auftakt zu meiner Artikelreihe „Gedankenwelten“ würde ich gerne etwas behandeln, was uns alle betrifft. Der Schriftsteller H. P. Lovecraft hat es in einem Zitat wunderbar zusammengefasst:
„Die älteste und stärkste Emotion der Menschheit ist die Furcht, und die älteste und stärkste Art von Angst ist die Furcht vor dem Unbekannten.“
Angst ist eine nützliche Errungenschaft der Evolution und wie jede andere Emotion fähig sowohl gute als auch schreckliche Taten hervorzurufen. Sie wird dann gefährlich, wenn sie irrational ist. Lovecraft ist für die Visualisierung dieses Prinzips bekannt geworden.
Der Cthulhu-Mythos fasst die triebhafte Wildheit der Angst in unförmigen Monstern zusammen. Die pure Begegnung mit diesen Wesen, die eine immaterielle Kraft verbildlichen, treibt seine Protagonisten in den Wahnsinn.

Lovecraft war ein Kind der Jahrhundertwende, in der latenter Rassismus und Vorurteile gegenüber fremden Kulturen und Religionen in der gesamten Gesellschaft verbreitet waren. Gerade deswegen, ist er interessant. Gerade deswegen ist er in Zeiten von Pegida und Co wieder aktuell. In seinem Werk hat er seine eigenen Ängsten vor dem Unbekannten ein Gesicht gegeben, so wie er sie wahr nahm. Damit kann man arbeiten, um zu verstehen wie Parallelgesellschaften als Reaktion entstehen.

Ich im Holocaust-Denkmal, Berlin

Dekonstruktion einer verblendeten Weltsicht

Im Zuge meines Studiums habe ich mich dieses Semester mit der europäischen Immigration ins osmanische Reich des 19. Jahrhunderts beschäftigt. Das war ein Glücksfall für mich, gerade in den persönlichen Debatten, die ich mit „Angstgetriebenen“ zum Thema Islamfeindlichkeit und Pegida führen musste. Unter den Levantinern besaßen vor allem (aber nicht nur) die Malteser einen besonders schlechten Ruf.

Dingli-Coast, Malta (Quelle: Wikipedia)

Malta ist ein kleines, felsiges Archipel im Mittelmeer, nicht mal 200 Meilen vor der Küste Tunesiens. Wegen Überbevölkerung strömte eine Masse an europäischen Proletariat in die Hafenstädte der osmanischen und französischen Kolonien. Dort stießen sie sowohl im Kontakt mit Türken als auch mit Europäern bald auf erhärtete Feindbilder und Stereotypen.
In Frankreichs Kronkolonie Algerien galten die Malteser als Gefahr für die öffentliche Stabilität. In Istanbul, Tunesien und anderswo begegnete man ihnen nicht freundlicher. Im Rahmen des Tanzimats wurden auch viele gebildete Europäer ins osmanische Reich geholt.
„Throughout the Levant the name of Maltese is connected with all that is turbulent, fanatical, dishonest, and immoral“
So äußerte sich der amerikanische Reisende James de Kay im Jahr 1833.
Kommt einem das nicht bekannt vor?
Ich hatte im Angesicht des Diskurses um die Pariser Attentate mehr als ein Déjà-Vu-Erlebnis. Die Vorurteile mündeten in einer weit verbreiteten Angst vor maltesischer Immigration. Es gibt nur einen wichtigen Unterschied, die Malteser waren erzkatholisch und keine Muslime.
Das lässt nur einen Schluss zu: Kriminalität und Abschottung von Migrationsgemeinschaften sind ein soziales und kein religiöses Problem und zwar der Gesellschaften, in der sie stattfinden.

Die Geburt von Parallelgesellschaften

Die Malteser gehörten zu den ärmsten unter den europäischen Einwanderern der Levantiner. Auf der Suche nach Arbeit kamen sie in die nordafrikanischen Hafenstädte. Oft besaßen sie keinen Pass, nicht einmal Schuhe. Durch ihre halbeuropäische, halbarabische Kultur verweigerten sie sich jeglicher Kategorisierung, die den Nationalisten in allen Ländern so wichtig war. In Frankreich galten sie wegen ihrer Sprache als arabisch. Im osmanischen Reich wegen ihrer Religion als westlich. Von daher waren ihre Möglichkeiten beschränkt.

Sinnbild der nationalistischen Vorurteile im 19. Jh. (Quelle Wikimedia, Stand 16.01.2015, 17:22)

So konnten maltesische Immigranten trotz ihrer hervorragenden landwirtschaftlichen Erfahrung in Algerien keinen eigenen Boden erwerben. Das einzige, was ihnen blieb, waren Tagelöhner-Arbeiten, etwa Tür-zu-Tür-Verkauf von Käse und Milch. Nicht wenige glitten angesichts dieser dürftigen Aussichten in die Kriminalität – etwa Schmuggel - ab, die schnellen Reichtum versprach und sich in der Rekrutierung nicht durch kulturelle Vorurteile behindern ließ. Ihre Armut hatte sie zu dem auch dahingehend trainiert, mit deutlich weniger Lohn auszukommen als jene Einwanderer aus den Wohlstandsregionen Europas. Verschärft wurde diese Situation noch durch den formalen Rechtsschutz, den die Briten – die seit 1814 Malta kolonial beherrschten – aus Prinzip ausstellten, um den Osmanen eins auszuwischen. Zwischen Kriminellen und unbescholtenen Bürgern unterschieden sie beim Ausstellen der Kapitulationen nicht. Man kann sich vorstellen, dass das zu weiteren Konflikten und Vorurteilen führte.


Wie reagierten die Malteser auf diese Anfeindungen? Ganz einfach: Sie schotteten sich ab. Ihre maltesische Identität – definiert hauptsächlich durch Kultur und Religion – entstand im kolonialen Kontext. In seiner Kritik an der hegelschen Philosophie hat Karl Marx dieses Phänomen sehr gut beschrieben:

"Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes. "

Im Zeitraum von 1846-1860 heirateten 83% der Männer und 91% der Frauen in den Istanbuler Gemeinden der Malteser innerhalb der eigenen Gruppe.

Was also tun?

Frankfurter Buchmesse 2014
Ängste vor dem Unbekannten, als die schleimigen Tentakelmonster, die sie sind, überwinden und feststellen, dass wir alle Menschen sind und alle unter denselben realpsychologischen Problemen leiden. Ein Deutscher, der am Boden der Gesellschaft hat sogar mit weniger Problemen zu kämpfen als ein Flüchtling, dem alles fremd erscheinen muss in diesem Land, weil er nicht einmal die Sprache versteht.

Die Lösung liegt darin mit Sozialarbeitern und Anreizen auf diese Menschen zuzugehen. Will man den religiösen Fanatismus besiegen, kann man das nur im Dialog und nicht, indem man den eigenen Ängsten erliegt, die Terroristen und ihren gegenüberliegenden rechten Fliegenfängern so in ihrer eigenen Agenda bestätigt. Das nennt man eine selbsterfüllende Prophezeiung.


Multikulturelle Verständigung ist wahre Stärke. Hass ist Schwäche und löst keines der Probleme, die Parallelgesellschaften verursachen, sondern verschärft sie nur. Wenn man darauf eingeht, verhilft man den Terroristen zum Erfolg, denn die wollen nichts anderes als eine Spaltung der Gesellschaft erzeugen. Gegen Rassismus, für ein buntes Deutschland! #JeSuisCharlie

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Dienstag, 13. Januar 2015

Schneegida - Eine Bilderserie über die weiße Bedrohung

In Erinnerung an den einen Tag, an dem wir Schnee hatten in diesen Winter, während es draußen mal wieder herbstlich nasskalt ist. Wie sehr wir uns doch alle wieder nach dem Sommer sehnen :S



















@LeO

Samstag, 10. Januar 2015

Kritik: The World's End (Das Ende der Welt)

Eine Reise zum Ende der Jugend und zurück




"The World's End" ist eine Komödie von Regisseur Edgar Wright und Drehbuchautor Simon Pegg, die bisher mit witzigen, aber eher unspektakulären Filmen aufwarteten. Dieser Film des britischen Duos ist anders.
Inhaltlich geht es um die Midlife-Crisis eines Mannes, um Gary King, der den Ruhm seiner Jugend wieder aufleben lassen will. Er trommelt seine alten Freunde zusammen, nur um festzustellen, dass alle sich verändert haben und gefestigt im Leben stehen. Nur er, der coole, den damals alle den "King" nannten, ist der Alte geblieben und er muss feststellen, dass der Ruf des Rebellen nur in der Jugend gefragt ist und seinen Glanz verliert sobald die Zeit voranschreitet.
Mit vielen Lügen gelingt es Gary seine alten Freunde zu überreden, sich in ihrer alten Heimatstadt in Erinnerung an die guten alten alten Zeiten noch einmal gründlich zu betrinken. Dort müssen sie feststellen, dass auch hier - auf den zweiten Blick - nicht alles beim Alten geblieben ist.
Bei "The World's End" handelt es sich um eine überaus clevere Gesellschaftssatire, die Ansätze des Zombiefilms und der außerirdischen Invasion nutzt, um Stellung zum Gedanken der Freiheit in unserer Moderne zu nehmen. Dabei driftete sie nie in den Vulgärhumor ab, setzt stattdessen auf Dialog, Charaktere und bildlichen Andeutungen.
Macht der Kapitalismus uns wirklich frei oder versklavt er uns noch schlimmer als es die Religionen und Ideologien taten? Wie formt die Leistungsgesellschaft einen Menschen und seine Träume und sind Konsum und Karriere als einziges Lebensziel wirklich erstrebenswert? Und rechtfertigt die Ambivalenz der Moderne es, alles über Bord zu werfen, sich gegen das System aufzulehnen und das etablierte System in einer Rebellion kaputt zu schlagen? Wer hält tatsächlich die letzte Weisheit: Der Rebell, der Angepasste oder der moderate Reformer? 
Anspruchsvoll fürs Hirn und mit viel Witz für das Herz. Der Film behandelt des schwierige philosophische Thema mit cleverem Humor, wartet mit starken Charakteren auf und vermittelt Geschichte und Botschaft in symbolgeladenen Bildern. Ein Streifen, der - meines Erachtens nach  -"Shaun of the Dead" und "Hot Fuzz" der gleichen Macher weit in den Schatten stellt und mehr Aufmerksamkeit verdient.

 @LeO
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Mittwoch, 7. Januar 2015

Ausblick: Ant-Man

Die Ameisenreiter




Marvel hat ja in der letzten Zeit einige solide und große Filme abgeliefert und kratzt nun auch am Boden der wenig bekannten Helden aus dem umfangreichen Comic-Universum. Der Erfolg von "Guardians of the Galaxy" als farbenfrohe und witzige Space Opera mag da durchaus beflügelnd gewirkt haben.
Es gibt dutzende kleine und mitunter recht absurde Superhelden in der westlichen Popkultur, die abseits von den Avengers, Spiderman, den Fantastic Four oder den X-Men existieren. Namen, die wohl in der Gegenwart jedem geläufig sein dürften. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Geschichten auch lohnend umsetzen lassen oder die Studios am Ende des Jahrzehnts wieder von Comic-Verfilmungen Abstand nehmen. Die Superheldenausgabe von "Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft" ist der "Ant-Man" und wartet schon im Trailer mit einem fliegenden Ameisenreiter in der mittlerweile wohl unvermeidlichen düsteren Nolan-Moore-Stadtszenarie auf.

Ob es sich dabei um Top oder Flop handelt muss die Zeit zeigen ...
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Marvel-Universum
Ant-Man
Hintergründe und Besetzung des Films

Montag, 5. Januar 2015

Rabenflug


Der Fels drückt auf meinen Schultern hart
Ein Rabe im Sande scharrt
neue Kraft gewonnen hab
aus dem Garten, den mir
mein Traum hat offenbart


@LeO