Sonntag, 7. Dezember 2014

Kritik: American Hustle



Ein Film, von dem man gewiss viel erhoffte und der bei den Oskars leer ausging. Setting und Charaktere sind eine Hommage an Scorsese und die alten Crime - und Mafia-Filme der 70er.

Nun, dass er keine Oskars eingeheimst hat, will nichts heißen. Schon gar nicht in unserer heutigen Welt des gekauften Ruhms und dem falschen Gerede über die kapitalistische Moralität des amerikanischen Traums. An "Goodfellas" & Co will der Film sich gar nicht messen. Ziemlich buchstäblich frisiert David O. Russell die alte Zeit dennoch neu auf, versetzt seine Schauspieler zurück in die von Zigarettenqualm geschwängerten 70er  Jahre quasselnder Trickbetrüger und gibt ihr neue Akzente.

Irving Rosenfeld (Christian Bale) und Sydney Prosser/ Lady Edith Greensley (Amy Adams) lernten schon früh, dass "Überleben" oft nur auf Kosten anderer möglich ist. Eines Tages verheddern sich beide allerdings im Geflecht ihrer falschen Identitäten und finanziellen Betrügereien, als sie vom FBI-Agenten  Richie DiMaso (Bradley Cooper) entlarvt werden. Dieser entpumpt sich jedoch als Gejagter seiner eigenen Ambitionen und sie einigen sich auf einen Deal, um unschuldige Politiker für Bestechlichkeit hoch zunehmen.
Die sich steigernde Eskalation, die durch Bradley Coopers brillante Perfomance und der humorvoll lockeren Erzählung getragen wird, enthüllt die Idiotie hinter der Wettbewerbsgesellschaft und dem verkrampften Rennen nach Ruhm und Reichtum. Und was die Saat des Neids mit denen anstellt, die von dieser goldenen Welt träumen.

Bleibend in Erinnerung manifestiert sich die Szene als Irving Rosenfeld Richie DiMaso an einem gefälschten Bild die ganze kapitalistische Moral und die menschliche Gratwanderung zwischen leichtem Betrug und hartem ehrlich verdientem Aufstieg in einer Frage zusammenfasst: Wer ist der Meister? Der Betrüger, der das Original so perfekt kopierte, dass der Unterschied niemandem mehr auffiel und das Werk des Malers in Vergessenheit geriet, oder derjenige, der die Idee hatte?

Man kann dem natürlich widersprechen. Es ist nicht die Intention dieses Films moralisch anklagend zu sein, aber die Hybris, der Richie DiMaso am Ende zum Opfer fällt, sowie die tragische Rolle des Gutmenschen Carmine Polito, der sich in diesem Netz der Karrieristen und Betrüger verfängt, zeigen deutlich wie das eine zum anderen führen kann. Ein interessantes Bild gibt auch Rosenfelds depressive Frau Rosalyn, die Synonym für die innere Fäulnis des Luxus- und Karrierestrebens und gleichzeitig für die Verführung durch den Nervenkitzel des betrügerischen Erfolges steht. Die Welt ist nicht schwarz und weiß, auch unsere freiheitlich westliche Gesellschaft ist grau durchtrieben.
Dabei verzichtet der Film auf explizite Action, Gewalt oder erotische Szenen, baut allein auf die Emotionen und den fließenden ironischen Erzählstil. Dennoch gelingt es die Geschichte bildgewaltig zu transportieren mit packenden Dialogen, brillanter Kameraführung, einem einprägsamen Soundtrack und der herausragenden Perfomance der Schauspieler.

@LeO

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