Donnerstag, 27. November 2014

Kritik: Tribute von Panem - Mockingjay 1



Die Panemreihe darf schon zwei gelungene, wenn auch nicht großartige Filme ihr Eigen nennen. War der erste Streifen qualitativ eher mittelmäßig - eine jugendgerechte holzige Teenagerromanze verpackt in eine Neumischung von "Battle Royal" und "The Running Man", zeigte sich die Fortsetzung "Catching Fire" schon deutlich tiefer und was Bild, Atmosphäre und Charaktere an ging entwickelter.



Mockingjay setzt diese Entwicklung fort und verpackt sie in einem intensiven und unterhaltsamen Film. Neben dem zentralen Beziehungsdreieck zwischen Peeta, Katniss und Gale gelingt es dem Film bedrückend ehrlich die Brutalität des aristokratisch-totalitären Kapitols darzustellen. Ohne die Integrität und Glaubhaftigkeit der Charaktere zu beschädigen oder in das Disney-Klischee der schönen Guten und hässlichen Bösen zu verfallen. 
Desweiteren werden philosophische und politische Fragen gestellt, die eher in die Tradition der "V wie Vendetta"-Verfilmung der Wachowski-Brothers fallen und untypisch für einen Mainstream-Film sind. Wie weit kann/muss man die eigene Integrität verraten, wenn man für eine gerechte Sache steht, aber mit einem übermächtigen und rücksichtslosen Feind konfrontiert ist. Der Streifen ist auch hier kompromisslos. Propaganda wird von Anfang an Propaganda genannt. Die entstehenden Filmchen entsprechen auch soweit dem Klischee, wenn man es mit dem Material von linken, rechten oder religiösen Extremisten vergleicht. Beschönigungen von einem heroischen Kampf für das Gute werden mit dem Schüren von Hass gegen das Böse verbunden. Als "Mockingjay" zieht Katniss Menschen sowohl aus dem Kapitol als auch aus den verschiedenen Distrikten an sich. Ein bewertendes Urteil wird nicht gefällt, die Entscheidung bleibt dem Zuschauer überlassen. 
Die Antworten des Kapitols sind ebenso eine Mahnung. Eine Aufforderung auch offiziellen Medien zu hinterfragen, aber nicht zu dämonisieren. Der gefangene Peeta wird als Waffe gegen die Rebellen instrumentalisiert und gezwungen sich öffentlich für das Kapitol auszusprechen. Informationen werden verschwiegen und Exempel durch Exekutionen, Bomben und Kugeln klar gestellt.
Der Film zeigt wie stark jeder Krieg nicht nur mit Feuer und Metall sondern auch mit Stift und Bild geführt wird. Die visuelle Verkörperung dieser Konflikte ist wohl die Regisseurin der Propaganda-Filmchen Cressida, deren Kopf auf einer Seite kahl geschoren und mit schwarzen Ranken tätowiert ist und deren blondes Haar auf die andere Seite gekämmt wurde. Die Grenze zwischen beiden Hälften markiert eine Art geflochtene Trennlinie. Die blonde Kaskade, die wie ein Vorhang über ihre nicht tätowierte Schulter fällt, steht für die Darstellung während der kahle Teil die Realität vertritt. Leben wird der Figur durch Natalie Dormer eingehaucht. Die Britin präsentierte ihren Körper bereits als Margaery Tyrell in HBO's "Game Of Thrones". Die Geschichte um den Mockingjay wirft uns in die graue Welt der Ideologien und ihre Verknüpfung mit Gewalt, Angst, Instrumentalisierung und Selbstaufopferung.


Mitten darin sehen wir wie Katniss zwischen den Fronten zerrissen wird. Endlich kann man Jennifer Lawrence ihr volles Talent ausschöpfen sehen, indem sie dem in den Vorläufern eher holzigen Charakter der Katniss Everdeen eine Tiefe verleiht, die emotional zerrissen und glaubhaft zu gleich wirkt. Das reicht von eher witzigen Szenen wie beim Dreh des ersten Propagandavideos für die Rebellen, als die Oscarpreisträgerin Jennifer Lawrence die schlechte Schauspielerin Katniss spielt, bis zu sehr emotionalen Szenen wie ihre Heimkehr in den zerstörten Distrikt 12, von dem nichts mehr als Trümmer und verbrannte Skelette übrig blieben. Auch der restliche Cast vereint abermals bekannte Namen. So verkörpert Donald Sutherland erneut den kompromisslosen Präsident Snow. Julianne Moore gibt ein überzeugendes Bild von dem farblosen Charakter der Anführerin von Distrikt 13 Coin und Philipp Seymour Hoffmann verleiht Plutarch Heavensbee einen überzeugenden Auftritt. Leider verstarb der Schauspieler vor Ende der Dreharbeiten und das Filmteam gedenkt seiner am Anfang der Credits.
Visuell wurde im Vergleich zu den Vorgängern abermals ordentlich aufgerüstet. Die Kamera fängt die Stimmungen der Charaktere und Bewegungen ein, sei es nun während Katniss' undGales Jagdausflug im stillen Wald, im zerstörten Distrikt 12 oder die bedrohliche Spannung während des Bombenangriffs auf Distrikt 13. Die Übergänge vollenden die düstere Emotionalität des Plots. Der einzige Kritikpunkt wäre für mich der Franchise-Cliffhanger der aus der Spaltung der Materials resultiert.

Andererseits eine gelungene Adaption von Suzann Collins Sci-Fi-Dystopie, die auch Stellung zu nach wie vor aktuellen politischen Bedrohungen nimmt.

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