Freitag, 14. November 2014

Kritik: Seven (Sieben)



Kino über moralischen Wahnsinn und christlichen Fanatismus sind ein rares Geschäft in der Filmschmiede Hollywood - Gerade in unserer heutigen vom islamischen Terror geprägten Zeit. Doch manchmal findet sich ein schockierend düsteres Werk, das die tiefen Abgründe von moralischer Perversion beleuchtet und mit psychologischem Horror überzeugend zum Leben erweckt. Ein Punkt, der mir wichtig ist, denn in Zeiten, wo aus (einleuchtenden) Gründen alle religiöse Kritik auf den Islam gerichtet ist, wird gerne vergessen, dass die Sprengkraft von Glaubenssystemen als Konzept das Problem ist und nicht ihr Inhalt. Fanatismus und Moralwahnsinn sind Probleme aller Glaubensgemeinschaften inklusive politischer und philosophischer Ideologien, auch wenn sie natürlich (meistens) nur einen sehr kleinen Teil in der Gesellschaft repräsentieren.

David Finchers Film "Sieben" (Originaltitel: Seven) ist ein Porträt des Serienmörders John Doe - Überzeugend dargestellt von Kevin Spacey in Bestform, dem es gelingt dem Größenwahn und perfide Besessenheit seiner Figur eine schockierend realistische Note zu verleihen. Die Morde werden im Stil der sieben Todsünden aus der katholischen Tradition des Christentums inszeniert. Sie stellen die Kombinationsgabe zweier ungleicher Detektive und die Mägen der Zuschauer auf die Probe. Der verzweifelte Lauf gegen die Zeit und der Konflikt zwischen dem lebenserfahrenen William Somerset, verkörpert von Morgan Freeman, und dem jungen Hitzkopf David Mills, verkörpert von Brad Pitt, hält ein Niveau der Spannung aufrecht, die einen bis zum verhängnisvollen Twist und einem wirklich fiesen Ende auf die Couch fesseln.

Die Emotionen, die alle drei Schauspieler in ihre Figuren bringen, zeigen deutlich, warum sie heute zur Weltelite im amerikanischen Film zählen. In diesem Meisterwerk des psychologischen Horrors, das vollständig ohne digitale Tricks auskommt, stimmt die Mischung zwischen Cast, Musik, Kamera, Drehbuch und Regisseur. Allerdings nichts für schwache Nerven.

@LeO

Kommentare:

  1. Oh ja. Wie war. Und der Film ist echt heftig. Besonders das Ende. Ein typischer Film der 90er.

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