Sonntag, 30. November 2014

Buchkritik: His Dark Materials - Northern Lights ( Der goldene Kompass)



"His Dark Materials" ist eine Jugendbuchreihe vom britischen Autoren Philipp Pullman, die vor allem durch eine pointiert antiklerikale Haltung und einen hinterfragenden Blick auf kirchliche Weltkonzepte glänzt.

Das erste Buch "Northern Lights" befasst sich mit dem Mädchen Lyra Belaqua, das es - um ihren besten Freund und andere Kinder zu retten - mit den sogenannten Gobblern aufnimmt. Dabei handelt es sich um ein Ministerium im Korpus der Kirche, das Kinder entführt um an ihnen Experimente durchzuführen. Geleitet wird die Anlage von der verführerischen und charmanten aber genauso durchtriebenen Mrs. Coulter. Alles scheint mit dem mysteriösen "Staub" (orig. Dust) und Brücken in andere Welten zu tun zu haben. Lyra mit ihrem Alethiometer nimmt die Verfolgung auf, findet in Gyptern, Hexen, dem amerikanischen Aeronauten Lee Scoresby und dem gepanzerten Bären Iorek Verbündete auf der Reise in den hohen Norden.
Eine Reise, die vom Anfang in England bis zum Finale in Bolvangar und der Eisfestung der gepanzerten Bären Svalbard spannend dargestellt und liebevoll ausgearbeitet wird. Der Leser wird in die Handlung hineingezogen, als Lyra durch eine Verkettung von Umständen ein geheimes Treffen der Gelehrten vom Jordan College, dem Oxford in unserer Welt, belauscht. Wie das Mädchen will der Leser wissen, was es mit Lyras Onkel Asriel auf sich hat, mit der Aurora und dem Staub, der Gelehrte wie Kleriker ganz verrückt macht.
Der goldene Kompass ist eines der wenigen Jugendbücher, das sehr kritisch mit der klerikalen Komponente von Religion umgeht und gleichzeitig Ideen des "Steampunk", schamanistische Magie und parallele Universen einbindet. Pullman konzipierte die Geschichte als humanistischen Gegenentwurf zur christlichen Erweckungsmetaphorik in "Die Chroniken von Narnia" von C.S. Lewis und das ist ihm auch gelungen. Der Titel im englischen Original "His Dark Materials" ist eine Anspielung auf John Miltons episches Gedicht "Paradise Lost", das sich mit dem Teufel und dem menschlichen Sündenfall beschäftigt. Pullmans Intention war diesen Konflikt umzudrehen.
Im Vorwort zitiert er einen Kommentar William Blakes über das Gedicht Miltons: "The reason Milton wrote in fetters when he wrote of Angels & God, and at liberty when of Devils & Hell, is because he was a true Poet and of the Devil's  party without knowing it." - Der Grund, warum Milton in Fesseln schrieb, wenn er von Engeln und Gott sprach und in Freiheit, wenn vom Teufel und der Hölle ist, weil er ein wahrer Poet war und auf der Seite des Teufels stand ohne es zu wissen.

Die Welt, in der die Figuren leben, an sich ist schon faszinierend.  Zum einen tragen die Menschen ihre Seele nach außen sichtbar als Daemon mit sich, was auf die vorchristliche griechische Bedeutung des Wortes anspielt. Dort ist ein Daimon eine Kraft der Seele. Ein Geist, der eine warnende oder mahnende Stimme sein konnte, aber auch ein Verhängnis. Die Daemonen von Kindern besitzen im Buch die Fähigkeit sich in beliebige Formen zu verwandeln bis sie sich in der Pubertät in einer festen Form manifestieren. Die äußere Erscheinungsform dieser Wesen ist das Bild eines Tieres. Eine Idee, welche den griechischen Sinn des Wortes mit der schamanistischen Lehre um die Geisttiere verbindet. Visualisierung dieser Verbindung sind die Hexen um Serafina Pekkala und der Schamane Grumman, der sich im zweiten Band als John Parry herausstellt.
Eine nette ästhetische Idee ist zudem die magische Umbenennung von für uns trivialen Dingen wie Öl und Elektrizität, was die "fremde Nähe" dieser Welt und die Idee der Multiversen weiter ausschmückt.
Sprachlich ist das Werk um Längen nicht so stark wie etwa George R. R. Martins "A Song of Ice and Fire" (Das Lied von Eis und Feuer) oder Richard Adams' "Watership Down" (Unten am Fluss), was aber auch an der Entstehung liegen mag, da Pullman wie auch Stephen King ein Verfechter des "Einfach-Drauf-los-Schreibens" ist. Das muss nicht immer schlecht sein wie beide Autoren auch beweisen, führt aber mitunter zu Längen und Plot-Hängern.
Dennoch handelt es sich um eine gelungene Geschichte über das Erwachsen werden und das Erkennen der nicht ganz so einfachen Natur von Gut und Böse, die wichtige Botschaft in sich trägt.

@LeO

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