Dienstag, 4. März 2014

Vallastar, der graue Wanderer


Auszug aus dem Kompendium über die Geschichte der Welt – 2. Band: Zeit der Imperien. Der graue Wanderer. Zusammengetragen und verfasst von Bran dem Reisenden, Erster des Rates der blauen Akademie in der Winterzeit des Jahres 2007.

[…] Eine der beliebtesten Geschichten der Welt ist die Saga um den ersten Magierfürsten Vallastar, den die Sänger bald auch grauer Wanderer nannten. Sogar eine der führenden Familien der südlichen Königreiche beruft sich auf diesen Namen als Urahnen ihrer Stammlinie. Kaum ein Kind in Avarios wird diese Geschichten nicht kennen, dennoch wäre diese Sammlung unvollständig ohne seine Taten.
Die Überlieferung sagt, Fürst Vallastar wäre mit der Magie in den Augen zur Welt gekommen. Manche erzählen, er wäre gar nicht geboren worden, sondern hätte sich aus dem Wasser des Golf von Bresan materialisiert. Wieder andere Geschichten berichten von einer Jungfrau, die vom Geiste Avarus geschwängert wurde, der ihr in den Ruinen der zerstörten Tempel der flüsternden Ebenen erschienen war. Die Elfenhistoriker berichteten mir, dass sich Vallastar in jungen Jahren das Leben nahm, gebeugt von den Hemnissen des menschlichen Körpers. Durch den Willen von Golganas und Irlande sei er dann zurückgeschickt worden, um der Welt und den Elfen wie den Menschen die wahre Natur der Magie zu offenbaren. Um ehrlich zu sein, habe ich so vielen Versionen der Geschichte gelauscht, dass ich gar nicht weiß, wo ich beginnen soll. Einig ist sich die Überlieferung lediglich darin, dass Fürst Vallastar der Stammvater der Magie ist, wie wir sie heute kennen und nutzen. Deswegen werde ich mit dem Ereignis beginnen, das sich in allen Erzählungen um den grauen Wanderer findet: Der Fund des Wolkensteins.
Hinter dem Grenzwald, der die Küstenlande und Karanthos vom Westen trennt, liegen die weiten Ebenen von Shala'Nzar. Ein offenes Grasland, wo die alte Welt noch spürbar scheint. Nicht mehr als ein Echo, das sich im Rauschen des Windes widerspiegelt. Es gab der Landschaft ihren heutigen Namen gab: Die flüsternden Ebenen. Und welchem Reisenden überkommt nicht ein fröstelndes Gefühl, wenn er an den zerstörten Tempeln der alten Zeit vorbeikommt? Die Geister der alten Götter, denen die Welt schon gehörte, bevor die Armeen des Prim begannen sie zu bevölkerten. Einige setzen sie mit den Elementen Anikon der Erde, Salyada des Feuers, Aegidon des Wassers und Inalya des Windes gleich, wieder andere behaupten es handle sich um wesentlich ältere, lange vergessene Wesenheiten von denen kaum Zeugnisse mehr existieren würden.
Diesen Ort suchte der graue Wanderer Vallastar in Zeiten großer Not auf um zu denken. So auch als die Menschen den Zorn der Elemente erregten, indem sie ihren Unrat in die See des Aegidon entsorgten und das Feuer der Salyada versklavten um Waffen herzustellen. Als sie die Erde des Anikon umgruben auf der Suche nach Schätzen und als sie die Wälder, deren Kronen die Inalya so liebte, abholzten, um Felder zu bebauen. Vallastar suchte den Rat der Götter in den grauen Wolken am Himmel und den Ruinen der alten Tempel. Wie sollte er den Menschen gegen den wilden Zorn der Elemente beistehen? Selbst dieser Weise sah keinen Weg aus dem Dilemma, denn die Elemente schienen nun so wild, unberechenbar und unbarmherzig wie die Eldar aus der Entstehungszeit der Welt. Lange ließen sie ihn warten, denn die Menschen sollten ihre Lektion lernen. Am vierten Tage hatten sie beschlossen, ihn zu erhören. Am fünften Tage schickten sie ihm schließlich einen gleißenden Blitz und ein Feuer, das mit einem Donnerknall vom Himmel fiel. Der weise Vallastar erkannte das Zeichen der Götter und eilte hinter den Hügel, an dem der Wolkenstein niedergegangen war. Aus dem schwarzen Krater aus verkohltem Gras nahm er ihn mit beiden Händen und fühlte nie gekannte Energie in seinen Körper fließen. Überwältigt von der Kraft, die durch seine Hände strömte, ließ er den Stein fallen bevor er selbst zu Boden ging. Spröde durch die Reise vom Himmel zersprang der Wolkenstein in viele Teile, und Vallastar schalt sich für seine Schwäche.
Da macht ihr Götter uns ein solches Geschenk und ich Esel zerstöre es, weil ich zu schwach bin um es zu halten.“

Als er die Hand ausstreckte, um einen der milchig-grauen Splitter zu berühren, flog ihm dieser zu wie ein zahmer Vogel. Voller Erstaunen über diesen ersten Akt der Magie, fiel Vallastar auf Knie und bat – den Splitter in der Hand haltend – die Elemente um Vergebung. Seit diesem Tag erlaubten die Elemente eine maßvolle Nutzung der Ressourcen ihrer Welt und wurden im Gegenzug von Menschen wie von Elfen in Tempeln verehrt. Die Magie wurde schließlich zur Zügelung und Zähmung des Zorns der Elemente benutzt[...]

@LeO

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