Mittwoch, 26. März 2014

Das Gedankenspiel mit der Magie ... [Vol. 1]

Magie in Romanen ...


Wenn man Fantasy schreibt hat man unbegrenzte Möglichkeiten eine Welt, Charaktere und Plottwists herzustellen. Meistens wird das ganze dann mit Magie, magischen Wesen oder Fähigkeiten erklärt. Doch dieses beliebte Medium führt auch zu einigen neuen Problemen, die man sich als Fantasy-Nerd sofort vorstellt und als Autor oft gezielt übersieht. Wie biegt man das Übernatürliche in einen natürlichen Rahmen? Natürlich kann man bei der Bewertung von Zauberei nicht auf Realismus zurückgreifen. Wir leben schließlich in einer Welt, in der wahre Magie (zumindest in der Form wie wir sie in unseren Geschichten darstellen) nicht existiert. Doch es hat Auswirkungen auf die logische Struktur und Wahrnehmung einer Geschichte.

Es handelt sich um ein Phänomen, das auch in High-Fantasy-Sagas wie der Herr der Ringe und Harry Potter auftaucht. Wie lässt man Magier nicht zu mächtig werden, dass magisches Eingreifen nicht surrealistisch und zur berüchtigten Deus-Ex-Machina wird? Welten, die Magie immer dann einsetzen, wenn es für die Helden günstig und für die Schurken ungünstig erscheint, wirken über kurz oder lang schlichtweg willkürlich. Gandalf hätte seine Lichtnova in sehr vielen Situationen nutzbringend einsetzen können, doch scheint es nur im Anblick von Balrocs und nicht etwa im Duell mit Saruman oder gegen Smaug Anwendung zu finden. Harry Potter reist im 3. Band durch die Zeit und trinkt im Halbblutprinzen flüssiges Glück, um seine Chancen zu verbessern. Doch wird er mit diesen Möglichkeiten in späteren Situationen ausgestattet? Im Kampf gegen Voldemort wären auch kleine Manipulationen an der Zeit oder ein wenig zusätzliches Glück sicher nützlich gewesen und wenn der Auserwählte nicht in der filmischen Zeitlinie gefangen wäre, hätte er zumindest danach gefragt. Vielleicht hätte man dann die ein oder andere Hauptfigur retten können. Ich glaube es deutlich geworden, was ich mit dem "Problem Magie" meine.

Die Lösung ist ganz einfach oder auch nicht, wenn man auf Magie nicht ganz verzichten möchte. Man kann es auch ganz umgehen, indem man das Problem elegant umschifft. Etwa zugunsten von Sci-Fi-Technologie (vgl. "Thor" und "Thor - The Dark Kingdom"), magischen Kreaturen und außerweltlichen Magiern (vgl. "Conan", "Gonji", "Prinzessin Monoke"), Träume ("Alice im Wunderland", "Matrix") oder Zaubertricks ("The Village", "Pakt der Wölfe"). Man muss sich letztlich ein Regelwerk überlegen, dass die eigene Fantasie zumindest ein wenig in die Schränken verweist. Hierbei spielen dann wieder eine ganze Reihe von Fragen eine Rolle.

Wo liegt der Ursprung der Magie?

Was sollen die Wesen in der Geschichte damit anstellen und was würden sie damit anstellen wollen?

Wie ließe sich gegen diese Kraft angehen?

Was hat das für Auswirkungen auf Geschichte und Gesellschaften der Welt?

Wo läge dann die Grenze zwischen verwerflicher und guter Magie?

Wird man mit der Begabung geboren oder kann man sie erlernen, wenn ja wie?

Wie sieht die Rolle von Scharlatanen, Religionen und Propheten in einer solchen Welt aus?

In Star Wars, auch wenn die Geschichte eigentlich ein Sci-Fi-Märchen ist, beispielsweise finde ich diese Gedanken sehr gut umgesetzt. Als Ausgangspunkt setzt Lucas die "Macht", die man mit Begabung lernen kann zu kontrollieren und die auch Gefahren birgt. Auch in "A Song of Ice and Fire" von George R. R. Martin ist Magie in die Welt eingebettet, auch wenn sie von Mythologie und Mystik durchsetzt ist. Die Blutmagie der Asshai findet sich in der Handlung wieder, zeichnet sich aber nicht als allmächtig aus. Sei es im Bild der Maegi, denen Daenerys auf ihrer Odyssee begegnet oder in Form der roten Priesterin Melisandre und ihrem Gott des Licht Rhllor. Trotzdem wirkt sie auf die Entscheidungen der Charaktere und die Geschichte der Welt ein und nicht nur zum Positiven. Tod, Krankheit und die Macht "normaler" Waffen sind nie außer Kraft gesetzt. Will man eine durch und durch authentische Fantasy-Welt schaffen, sollte das Gedankenspiel mit dem Übernatürlichen meiner Ansicht nach nicht in ein "Wunderland" oder zu wirren Deus-Ex-Machina-Situationen führen. Die Magie muss auf den Füßen bleiben.

@LeO

1 Kommentar:

  1. Hallo, alle zusammen.
    Das ist wirklich ein Problem, wie man die Magie wieder auf die Füße bekommt, nachdem man doch so tolle Welten erschaffen hat. Ich fabriziere gerade im nagelneuen blog geschichtenkorb.de eine fast reale Welt mit nur einem Hauch Irrationalität, um eben diese Hürde zu umschiffen.
    Seit 54 Jahren lese ich SF. Früher war das alles ein großes Sammelbecken für alles, was außerhalb der üblichen Genres geschrieben wurde. Seitdem ich aber die letzte Zeit mehr als den sonst üblichen Schrott gelesen habe, erschaffe ich mir die Stories eben selber...

    Hildegard

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