Mittwoch, 26. Februar 2014

Ein Schritt in eine neue (alte) Welt?


So ihr Lieben, mit dem Uni-Kram bin ich bald durch und nun zum lange angekündigten Projekt, das sich über die Jahre stark verändert hat und durch dutzende Genres gewandert ist. Im Kern dieselbe Story geblieben ist. Der Ursprungsidee liegt eine Diskussion mit Freunden zugrunde. Wer diesen Blog regelmäßig verfolgt, kennt meine kritische, teilweise harsche Position gegenüber Religionen, Weltanschauungen und Ideologien. An die Umstände erinnere ich mich nicht mehr genau, nur dass auf mein eigenes Argument, man könne ja auch an Feen und Einhörner glauben, die Antwort "Dann gründe doch deine eigene Religion" folgte, was ich zumindest im übertragenen Sinne zu tun gedenke, indem ich verschiedene Charaktere auf ihrem Weg die Welt in der sie leben zu verändern, begleite. 
Mittlerweile betrachte ich diese Thematik mit kühlerem Kopf und stelle mir die Frage wie Religion/Ideologie (Ich bezweifle, dass es dort abseits von inhaltlichen Differenzen einen ernst zunehmenden Unterschied gibt) auf Menschen wirkt, wie es sie aufbauen und zerstören kann. Was passiert mit einem träumerischen, glaubenden, zweifelnden Charakter, der plötzlich an Macht gelangt? Lässt sich Glaube wirklich nutzen, um die Welt zu verbessern oder handelt es sich dabei nur um einen weiteren Trigger menschlicher Arroganz? Ein Werkzeug, das einem Stärke gibt und andererseits alle Hemmungen und Zweifel erstickt. Der Titel dieses Blogs ist dem griechischen Seher Tiresias (Im Original Teiresias) gewidmet, einem Wahrsager wie es in der griechischen Mythologie viele gegeben hat. Doch dieser Seher ist durch den Zorn eines Gottes - Es gibt da mehrere Versionen - geblendet worden. Seine Weissagungen waren nie falsch, auch wenn er sie den Helden nur widerwillig preisgab. In dieser Rolle tritt er in die Geschichten von auch heute noch berühmten Charakteren wie Ödipus, Antigone und Odysseus auf. Wie bei vielen griechischen Geschichten ist hierbei nicht der Inhalt - der je nach Überlieferung und Ort auch stark variierte -, sondern die symbolische Tiefe der Figur interessant.
Das Sehen trotz Blindheit begegnet uns immer wieder in Kunst, Politik und Religion. Sei es die Justitia mit ihrer Waagschale, die blind gegenüber allen anderen Einflüssen außer der Gerechtigkeit sein soll, oder Illidan Stormrage aus dem Warcraft-Universum, dem Dämonenjäger und Verräter, der sich von Sargeras die Augen ausbrennen ließ um verbesserte Sicht als "Geschenk" zu erhalten ("Krieg der Ahnen" - Trilogie, Richard A. Knaak). Sei es das Gleichnis "Wenn aber ein Blinder einen anderen führt, so fallen sie beide in die Grube" (Mt. 15,14) oder Neo, der im dritten Teil der Matrix-Trilogie geblendet wird und in gewisser Weise trotzdem sieht, oder Odin, der eines seiner Augen dem Riesen Mimir verpfändet, um aus der Quelle der Weisheit trinken zu dürfen. Allein schon die Variation der künstlerischen Adaptionen des Gegensatzes Blind-Sehend zeigt wie viele Arten und Auffassungen von Blindheit es gibt. Alle Menschen sind blind, wenn es um die Ereignisse vor ihrer Geburt oder nach ihrem Tod geht. Von der Vergangenheit können wir durch Sprache, Relikte und Menschen erfahren, doch für die Zukunft bleiben wir ein Leben lang ohne Wissen und jeden der behauptet es zu sehen, kann man ohne Gewissensbisse als Lügner bezeichnen, was ich auch des Öfteren getan habe. Das betrifft Religion, Politik und Ideologie gleichermaßen, und zwar egal welcher Natur sie auch sein mögen. Ob ich nun von einem Utopia oder der Apokalypse ausgehe ändert nichts daran, dass niemand wissen kann, ob dieses Ereignis eintritt. Letztlich sind und bleiben alle Propheten blind, egal mit welchem Göttern sie angeblich in ihren Träumen kommunizieren. Mich würde z.B. interessieren, was Jesus - Nach der Auffassung einiger ist er ja schon mal von den Toten zurückgekehrt. Warum also nicht nochmal? - zur Kirche wie sie heute ist und in der Vergangenheit nach seinem Tod war, sagen würde. Ist es das, was er gewollt hätte, was er gemeint hatte? Ich bezweifle das und bin der festen Überzeugung, er hätte sich dem Atheismus oder Agnostizismus zugewendet und/oder sich in einer linken Partei engagiert, um die Welt aktiv zu verändern.
Es sind diese Fragen die mich interessieren und die das Fundament für mein kommendes Projekt bilden werden. Letztendlich habe ich mich für ein Fantasy-Setting entschieden, was zugegeben ein ziemlich ausgelutschtes Genre ist. Doch ich hoffe ich kann dem Zusammentreffen von Elfen und Menschen noch etwas neues abgewinnen. Was ich an Tolkiens Elben nie leiden konnte, war deren Darstellung als weise, reine Überwesen, alles das, was Tolkien gerne in den Menschen gesehen hätte  (Man beachte den Entstehungskontext zum 1. und 2. Weltkrieg). Tolkiens Welt bleibt eine dualistische Märchenwelt, in der die Guten schön und ehrenhaft sind und die Bösen hässlich und hinterlistig. Komplexität wie sie etwa in George R. R. Martin's "Game of Thrones" Gang und Gebe ist, kommt nicht vor. Deswegen werde ich auch auf Orks, die eine tolkiensche Erfindung sind und im Gegensatz zu den anderen Völkern keinen Bezug zu nordischen Mythologie haben, komplett verzichten. Ich möchte meine Elfen ambivalenter gestalten. Es sind stolze und noble Wesen, doch daraus kann man viel entwickeln: Hochachtung vor Schönheit und Natur, blühende Kultur, Verachtung gegenüber dem Andersartigen und Verblendung gegenüber der Wirklichkeit. Was wäre in einer solchen Gesellschaft eine grausamere Strafe, als das Augenlicht zu verlieren? Man könnte die Schönheit der Welt und der elfischen Kultur nie mehr in ihrer Pracht bewundern. Deswegen soll die Blendung ("Ishar Isztil") in dieser Gesellschaft die höchste Strafe für die schlimmsten Verbrechen darstellen.
Doch wer definiert die schlimmsten Verbrechen? Sind die Bestraften wirklich nur niederträchtige Verräter? Oder kann Stolz an sich harmlose Verbrechen nicht in ein anderes Licht rücken? So ist die oben gezeichnete Ashara Golanian als einer meiner ersten Charaktere entstanden ...

@LeO

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