Donnerstag, 21. März 2013

Unsere Mütter, unsere Väter ...


Historisch authentische Filme wie "Unsere Mütter, unsere Väter" sind rar gesät und wenn sie doch produziert werden, sind sie meist ideologisch eingefärbt. Das trifft auch auf Dokumentationen zu. Amerikanische Filme verfallen verfallen beim Nationalsozialismus in Schwarz-Weiß-Schemata, während sich Fernsehen und Regisseure in Deutschland entweder übermoralistisch oder gar nicht einbringen. Eine Tabuisierung und Dämonisierung der Jahre 1933-1945 bleibt contraproduktiv und verhindert die Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Wurzeln des ideologischen Wahnsinns, die in der manipulativen Psychologie der Massen und des Einzelnen zu suchen sind.
Mit dem Nationalsozialismus verhält es sich wie mit einer Krankheit und das ist keinesfalls ein wertendes Urteil. Ein Impfstoff oder Heilmittel einer Epidemie kann nur dann gefunden werden, wenn man die Berührungsangst mit dem todbringenden Virus oder Bakterium verliert, es in einer sicheren Umgebung seziert und sein Verhalten untersucht. Durch die Beschäftigung mit der Krankheit werden die Weichen für die Entwicklung eines Heilmittel gestellt oder zumindest ihre Ursachen ergründet. Der Vergleich klingt vielleicht ein wenig bemüht, doch scheint er bei näherer Betrachtung nicht wirklich weit hergeholt. Um verstehen zu können wie sich ein ideologischer Vernichtungskrieg aus Armut (Wirtschaftskrise), maßloser Bestrafung (Versailler Vertrag) und psychologischer Manipulation entwickelte, muss man sich eingestehen, dass diese Leute nicht böse waren. Sie waren Menschen mit allen Stärken und Schwächen, die dieses Schicksal mit sich bringt. Sie waren mit dem geistigen Virus einer Ideologie infiziert. Diese Darstellung soll die Verbrechen des Regimes keineswegs beschönigen oder gar entschuldigen. Es ist ein notwendiger Schritt, um die Ursachen zu verstehen und eine ähnliche Entwicklung zukünftig zu verhindern. Die Geschichte lehrt, dass sich jeder Fehler wiederholen kann, wenn die Zeitspanne des Vergessens nur groß genug ist. Es ist die Aufgabe der Historiker in der Wissenschaft und der Medien in der Öffentlichkeit dem Vergessen und der Verdrängung entgegenzuwirken. Wenn man sich in der modernen Welt umsieht, muss man allerdings feststellen, dass Fehler aus der Vergangenheit teilweise wieder begangen werden. Wer davon profitieren wird, liegt noch im Nebel der Ungewissheit. Eine scharf umrissene Führerfigur, die den Strom der Unzufriedenheit in einer Bewegung bündelt, fehlt glücklicherweise (noch). Es wird sich dabei höchstwahrscheinlich weder um den Faschismus noch den Kommunismus handeln, eher um eine religiöse Bewegung. Der Einfluss des Glaubens weltweit sowohl durch die monotheistischen Vereine als auch durch die freikirchlichen Sekten steigt, was meiner Meinung nach eine äußerst bedrohliche Entwicklung darstellt.
Dass die katholische Kirche über einen langen Zeitraum ebenso fatal gewütet hat wie die Regime des 20. Jahrhunderts, erreicht die wenigsten Menschen, weil die Kurie heute durch Zeitgeist und Wissenschaft in die Ecke gedrängt worden ist und harmlos erscheint. Man sollte nicht vergessen, dass es bei Fanatismus nie um die Botschaft  an sich ging. Es geht um die eigene Heiligsprechung und die Dämonisierung einer gegnerischen Gruppe. Ob das nun Juden, Muslime, Kapitalisten oder Atheisten sind, spielt keine Rolle. Die einzelnen Ausprägungen dieser Krankheit sind Fallbeispiele. Die Kunst ist es, Prinzipien dahinter zu erkennen und die präsentieren sich, wenn man sich die Mühe macht hinzusehen. Es liegt an uns diese Erkenntnisse aus der Erforschung des Nationalsozialismus (und auch der stalinistischen Diktatur) zu nutzen.

Die oben ausgeführten Gedanken stellen den Hauptgrund für meine religionskritische Haltung dar. Im neuen Papst sehe ich deswegen einen gefährlichen Mann. Er weiß sich im Gegensatz zu Ratzinger zu präsentieren und zu inszenieren. Seine wahren Absichten sind jedoch nicht zu erahnen. Das schwache Bild eines gescheiterten österreichischen Postkartenmaler schimmert in der Erinnerung auf. Er inszenierte sich als Asket und Heilsversprecher, redete von einer besseren Welt für sein Volk, organisierte Suppenküchen für die von der Wirtschaftskrise gebeutelten Bevölkerung. Am Ende, als mit dem Tod des Reichspräsidenten die letzte Hürde fiel, stand ihm der Weg offen, die Welt ins Chaos zu stürzen.

Niemals unhinterfragt folgen und niemals von Gesten auf Gesinnung schließen, auch wenn dieser Weg leicht zu sein scheint.

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