Samstag, 2. Februar 2013

Ein Interview, viele Fehler

So viele falsche Verknüpfungen in einem Interview. Mein lieber Erzbischof, das konnten sie mal besser.

1. Das Pogrom ist zwar keine eine christliche Erfindung, aber wurde ab dem Mittelalter aktiv durch das Christentum begangen und war überwiegend gegen Juden, Heiden und Ketzer gerichtet.

2. Gezielte Diskreditierungskampagnen (Hölle) müssen in weiten Teilen der Welt die gottlosen Atheisten, die Frauen und Homosexuellen ertragen. Die katholische Kirche stand lange genug auf der Seite des Täters und wird diese wieder einnehmen, sollte sie jemals Macht erlangen. Von mir aus kann sie in ihrer jetzigen eingeengten Position bleiben und dort verrotten, wenn sie sich nicht den freiheitlichen Grundgedanken der Moderne unterordnen will. Niemand, am allerwenigsten ich, wird sie vermissen.
Die Einrichtung einer Glaubenskongregation gegen "abweichende Glaubensvorstellungen" ist allein schon eine Diskreditierung anderer Ansichten.

3. Die "künstlich" erzeugte Wut ist real und verständlich.

4. Der Knüller: "deren Rüstzeug gehe auf den Kampf der totalitären Ideologien gegen das Christentum" zurück.
Nun der Faschismus beruht in seinen Wahnvorstellungen überwiegend auf der christlichen Heilslehre und hätte ohne den Katholizismus nicht derartige Ausmaße annehmen können. Zahlreiche Dokumente und Überlieferungen (inklusive von "Mein Kampf") bezeugen das. Auch die Zusammenarbeit beider Kirchen mit den Nazi-Regime ist belegbar und zwar nicht nur während der Unterdrückung, sondern auch vorher und nachher. Als Bespiel sei das Schleusen von Nazischergen über die Kurie nach Südamerika genannt. Warum Kriegsverbrechern zur Flucht verhelfen, wenn die Unterdrückung beendet ist?
Es mag stimmen, dass der Kommunismus eine atheistische Weltanschauung ist. Aber wenn man die Systeme der Theokratie mit dem Stalinismus vergleicht, kommt der Gedanke der Analogie recht schnell auf. Auch diese Ideologie hätte sich nie ohne die Manipulationsebenen, welche die (staatlich gelenkte) Religion auf dieser Welt schuf, halten können. Zum Beweis muss man sich allerdings die Mühe machen und Karl Marx` berühmten Spruch "Religion ist das Opium des Volkes" aufsplittern in "Heilsversprechungen, dogmatische Lehre, Unantastbarkeit des Führungsapparats und Volksverdummung sind das Opium des Volkes" umdichten. Der Aphorismus ist dann zwar nicht mehr so prägnant und einprägsam, kommt der Wahrheit aber näher.

5. "Beim innerkirchlichen Dialog müsse auch über das Wesentliche geredet werden" - Richtig, nur über die wesentlichen Dinge möchte die Kurie nicht sprechen und die gleichen Probleme werden immer wieder aufgetischt, weil sie von der katholischen Kirche nicht angegangen sondern vertuscht und versteckt werden.

6. Der Gedanke von der "Unmöglichkeit der Veränderung" zeugt davon, dass der werte Herr Erzbischof Müller, keine Ahnung von der Geschichte des eigenen Hauses zu haben scheint. Denn so "elementare" Dinge wie das Zölibat wurden erst im hohen Mittelalter Pflicht.

7. Die Ehelosigkeit Jesu ist erstens umstritten und zweitens garantiert keine Rechtfertigung.

Das Interview gab Erzbischof Müller der Zeitung "Die Welt",
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/erzbischof-mueller-kritisiert-pogromstimmung-gegen-katholische-kirche-a-881063.html

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