Dienstag, 15. Januar 2013

Urteil zur Religionsfreiheit vom EGMR


"Es gelte einen vernünftigen Weg zwischen der Religionsfreiheit und den Rechten anderer zu finden"

Für mich ist dieser Fall eindeutig, das Antidiskriminierungsgesetz steht vor der Religionsfreiheit. Wenn wir also auf der Religionsfreiheit bestehen müssen wir alle Symbole tolerieren. Ob umgedrehtes Kreuz, Pentagramm, Thors Hammer, Burka, Kopftuch oder meinetwegen eine beseelte Kette aus Palmblättern. (Wie wäre es mit dem Evangelium des fliegenden Spaghettimonsters als USB-Anhänger? Oder eine Miniaturausgabe von Russel Teekanne für Atheisten?).
Diese Symbolfreiheit ist nur dann erreicht, wenn man die monotheistischen Platzhirsche in ihre Schranken verweist, dafür sorgt, dass sie kleinere Religionsgruppen, Homosexuelle, Konfessionslose und Atheisten nicht in ihrer Freiheit einschränken, und sie daran erinnert, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Gott existiert genauso hoch ist wie die Existenz jeder anderen Fantasiegestalt.

Ein vollkommenes Verbot von religiösen Symbolen in der Öffentlichkeit wäre zwar aus meiner Perspektive auch nicht tragisch (sofern es sich auf den alten Grundsatz des römischen Reichs res publica/res privata bezieht und nicht in die Privatsphäre der Menschen eindringt), weil es in der Öffentlichkeit Neutralität gegenüber allen Menschen etablieren würde - Außerdem wäre es interessant zu erfahren wieviele Neuatheisten es gäbe, wenn man die schädliche Beeinflussung durch Religion im Kindesalter juristisch über Bord wirft, aber das ist ein anderes Thema.

Letztlich ist ein Verbot von religiösen Symbolen auch eine Diskriminierung, deswegen wäre eine völlige Gleichheit von religiösen Symbolen (inklusive der spöttischen, antireligiösen und heidnischen Symbole) zu befürworten - Bei gleichzeitiger Einschränkung der Handlungsfreiheit im Bezug auf das Antidiskriminierungsgesetz. Ein Kreuz am Hals schadet niemandem, ebenso wenig ein T-Shirt mit der Aufschrift "Gott ist ein imaginäres Alphamännchen- Evolution 4 ever". Wer sich aber wegen seinem Glauben weigert beispielsweise homosexuelle Paare zu trauen oder zu behandeln diskriminiert und ist nicht besser als ein Nazi, der einem Juden vor die Füße spuckt.

In diesem Sinne gleiches Recht für alle.

Quelle: Spiegel.de

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