Samstag, 19. Januar 2013

Spiel mir das Lied vom Tod - Django Unchained

Rezension - Django Unchained von Quentin Tarantino



Quentin Tarantino wird in der Öffentlichkeit gerne auf die Gewalttätigkeit seiner Spielfilme reduziert. Unterschlagen werden dabei der geistreiche Humor, die geschliffenen Dialoge und die teilweise sehr harsche Gesellschaftskritik. Der amerikanische Ausnahmeregisseur bemüht sich stets eine Liga von Spitzenschauspielern in extravaganten Rollen aufeinandertreffen zu lassen. Sein neuer Film schien für ihn dabei die Erfüllung eines Traums zu sein, spielt er doch tatsächlich im Amerika des wilden Westens und nimmt sich einem weiteren schweren und heiklen Themas an: Der Sklaverei.

Die Hauptfiguren treffen in einem für Tarantino fabelhaft stimmigen Intro aufeinander. Der deutsche Kopfgeldjäger Dr. King Schultz (Christoph Waltz) befreit Django (Jamie Foxx) aus den Händen von zwei Sklavenhändlern, damit dieser ihm bei der Suche nach einer Verbrecherbande behilflich sein kann. Im Laufe des Films freunden sie sich an und schließlich hilft Schultz Django bei der Suche nach dessen Frau Broomhilda (Kerry Washington), die in die Hände des skrupellosen Calvin J. Candie (Leonardo DiCaprio) und seines widerborstigen Lakaien Steven (Samuel L. Jackson) gefallen ist. Dabei werden Gewalt, Dialog und Komik - wie schon in Inglourious Basterds - zu einem skurrilen Gesamtkunstwerk verwebt. Der Aufbau der Szenen ähnelt immer wieder einer Pyramide, in der sich Spannung und Bedrohung anstauen und sich dann in einem gewaltigen Knall entladen. Tarantino versteht es das Publikum zappeln zu lassen. Von Beginn leidet man mit den Protagonisten und lernt ihre Gegner zu hassen.
Dabei ist die innere Widersprüchlichkeit der Figuren interessant. Wenn Schultz in einem Moment mit kaltherziger Logik Django auffordert, einen gesuchten Mörder in Anwesenheit seines Sohnes zu erschießen und später wegen der barbarischen Behandlung von Sklaven auf der Candie-Land Farm beinahe einen Nervenzusammenbruch erleidet, wirft das die Frage auf, inwiefern Grausamkeit im Blickwinkel des Betrachters liegt und vom Schirm seiner "Wertvorstellungen" gedeckt werden kann. Aufgelockert wird die Suche nach der Antwort durch Musik (Von klassischen Westernstücken bis zu modernem Hiphop), Mythologie und die allumfassende, skurrile Komik, die sich im Dialog und stilisierten Bildern widerspiegelt.

Django Unchained erreicht zwar meiner Meinung nach nicht ganz an Inglourious Basterds heran, ist jedoch trotzdem ein überzeugender, klassischer Tarantino Film, der aber wegen seiner stilisierten Brutalität und in jeder Szene gegenwärtigen bedrohlichen Atmosphäre nichts für schwache Nerven ist. Allein die hervorragende schauspielerische Leistung von Christoph Waltz als Dr. King Schultz macht den Film  schon sehenswert. Doch auch die anderen Schauspieler glänzen in ihren Rollen, allen voran Samuel L. Jackson, der den schrulligen und rassistischen schwarzen Butler Steven darstellt, sowie Leonardo DiCaprio in seiner ersten Schurkenrolle, der sichtlich Freude daran hat den naiven Kindskopf Calvin Candie zu spielen.

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