Dienstag, 4. Dezember 2012

Tongmyongs Einhorn



Macht und Machterhalt nimmt bekanntlich bizarre Formen an, egal in welchem Erdteil und in welcher Epoche wir uns bewegen. Gerade totalitäre Systeme scheinen dabei Wert auf die exponentielle Zersetzungskraft - Alzheimer erscheint mir da noch eher wie ein harmloses Schreckgespenst - des Gehirns durch Kult und Gehorsam zu legen. Sowohl beim einfachen Volk als auch in den Führungseliten. Ob sich das nun in skurrilem Okkultismus, der Begegnung mit einer oder mehreren Gottesgestalten oder in der Entdeckung von Einhornnestern, die ein König 200 v. Chr. als Reittier domestiziert haben soll, widerspiegelt, zeigt nur die Vielfältigkeit der Symptome geistiger Umnachtung bedingt durch Allmachtsfantasien auf.

Der Beobachter kann nur schmunzeln und kann sich nicht entscheiden, über wen eher den Kopf schütteln soll: Über die Herrscher, die ihren letzten Funken Glaubwürdigkeit einbüßen und endgültig in die Lächerlichkeit abdriften oder über die Untertanen, welche die ihnen aufgetischten Märchen auch noch glauben. Das Märchenland Nordkorea, wo Einhörner gesichtet und Offiziere mit Panzergranaten hingerichtet werden, wird hoffentlich auch bald Geschichte sein. Es ist traurig und ein Armutszeugnis, dass es das nicht schon längst ist.
Bis dahin muss sich die Welt wohl noch die Lügengeschichten aus der Feder der KCNA-Zensur anhören. Mich würde interessieren, ob die Redaktion des staatlich kontrollierten Senders sich überhaupt bewusst ist, dass ihre Berichterstattung im Ausland nur beherztes Lachen auslöst und das Bild, das der Westen von dem abgeschotteten Land hat, keinesfalls prägt.

http://www.focus.de/panorama/welt/onkel-kims-maerchenstunde-forscher-in-nordkorea-haben-ein-einhorn-nest-entdeckt-_aid_873875.html

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