Samstag, 1. Dezember 2012

Das Pferd der Demokratie


Nun die Demokratiebewegung im nahen Osten scheint in der Startbox verendet zu sein. Vielleicht hatte der alte Kläpper einen Herzfehler oder er hatte einen dieser störrischen Anfälle, die man an Rennpferden in Kinofilmen gerne mal präsentiert bekommt. Aufjedenfall scheint Mursi, der sich bei der Amtseinführung seinen Kritikern gegenüber tolerant heuchelte, bereits den Weg zurück zu galoppieren, denn der arabische Frühling anzulegen bereit gewesen war. Anstelle eines westlich-geprägten Diktators, der die Menschen zur Befriedigung seiner Machtgier ausbeutet, tritt ein islamistischer Diktator, der vorgibt seine Machtgier sei von Gott gewollt. Nur dass dieser, wie immer in solchen Fragen, durch Abwesenheit glänzt.
Eigentlich sollte der Westen sich angewöhnen sich aus derlei Konflikten herauszuhalten. Die Menschen müssen selbst lernen, was gut für sie ist. Sie brauchen eigene Revolutionsführer, die die Gesellschaft von innen heraus neu gestalten. So ist es in Europa geschehen und Menschenrechte wurden gegen den Willen von Kirchen und Monarchen, deren Position irgendwann unhaltbar wurde, durchgedrückt. Man kann einem Land oder einer Region keine Ideologie aufzwingen, die sie selbst (noch) nicht im Kern vertreten kann, außer man besitzt die Macht eines Despoten den Willen der Menschen durch Gewalt zu brechen und sie durch Gehirnwäsche dumm zu halten (Im Mittelalter durch Christentum und Katechismus, in der Moderne des nahen Ostens durch Islam und Scharia).
Nur wie bringt man Menschen dazu, sich aus diesem Teufelskreis der Bedrängung und der Selbstverdummung zu befreien? Man kann natürlich militärisch (oder missionarisch) intervenieren, nur schafft man darüber eine breite Angriffsfläche, die Extremisten wiederum für ihre eigenen Zwecke nutzen können. Der Gedanke hinter der Expansion des römischen Reiches (zumindest in der Republik von 509-42 v. Chr.) war der Welt die Zivilisation zu bringen - Die Barbaren zu romanisieren. Um dieses Ziel zu erreichen bedienten sie sich neben dem Bau von Infrastruktur un dem Export von Wissen und Luxuswaren eben der militärischen Intervention. Aber weil dahinter natürlich ein Dualismus steckt (Wir sind besser als ihr, also schließt euch uns an oder sterbt), erzeugt dieses Handeln eine Art von Sprengstoff, die wohl dem menschlichen Verstand eigen ist. Das Konstrukt der Bedrohung der eigenen Freiheit (Natürlich gibt es auch dutzende Ausnahmen, viele Völker haben sich freiwillig ins römische Reich eingegliedert, weil sie dadurch enorm profitieren konnten). Da ist einem natürlich jedes Mittel Recht, diese Gefahr abzuwenden. Frei dem arabischen Sprichwort nach: Der Feind meines Feindes ist mein Freund.
Das brachte nicht nur den Karthagern und Hannibal im zweiten punischen Krieg massive Unterstützung durch die Stämme, welche im Norden Italiens ansässig waren, sondern eben auch den Islamisten heute, die den Westen als unmoralisch und vorallem imperialistisch anprangern und dadurch ihre eigenen radikalen Ansichten verharmlosen können. Über das Malen eines Feindbilds (In diesem Fall die USA und vorallem Israel) kann man sämtliche logische Denkprozesse relativieren oder gänzlich ausschalten. Diese Gedanken entwickeln sich von revolutionär (vielleicht sogar ernst) gemeinten Ideen zu Vorurteilen, die in der Gesellschaft schließlich tradiert werden und sich ähnlich einer chronischen Krankheit, die den Verstand immun gegen berechtigte Kritik macht, von Generation zu Generation weitervererben.
Deswegen sind die Sowjets in Afghanistan gescheitert und deswegen steht auch die NATO dort nun auf verlorenem Feld, auch wenn sie unterschiedliche Ziele besaßen. Eine Revolution muss immer von innen heraus erfolgen, sie kann einem Land nicht aufgezwungen werden. Der arabische Frühling war eine erste Eruption in die richtige Richtung, nun liegt es an den Menschen in den Ländern des nahen Ostens, sich gegen die Gehirnwäsche durch islamistische Motive (auch gegen Mursi) zu behaupten und Gegenbewegungen hervorzubringen. Was sagen eigentlich die Frauen dazu?

http://www.spiegel.de/politik/ausland/mursi-anhaenger-demonstrieren-macht-in-kairo-a-870414.html

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