Samstag, 3. November 2012

Sand


Die Zeit ist wie eine Wüste. Ereignisse, die sich wie Dünenkämme den Horizont entlang ziehen. Aufgeschichtete Sandkörner, milliardenfach und unkontrollierbar, bilden neue Formen. Kunstwerke geschaffen von Naturgewalten. Berge, die das Potenzial besitzen Dörfer und Städte zu begraben und doch verweht werden als hätten sie niemals existiert.
Wo sie verschwinden offenbaren sie Geheimnisse, zeigen, was sie verschlungen haben. Geschliffene Kalksteinrippen, bizarre Felsen, Höhlen aus lang vergangener Zeit. Verborgen in der Masse aus Sandkörnern, die sie konservierte. Die Wüste ist ein Ort, der ständig in Bewegung ist wie das Wasser, das ihr fehlt, vom Wind geformt und vorangetrieben.
Der Sand rieselt mir aus der Hand. Nichts bliebt. Ich kann ihn nicht halten. Die Sonne brennt mir auf dem Nacken, dörrt mich aus, dennoch kann ich mich dem Zauber nicht entziehen. Dieser Ort ist magisch. In seiner Unvollkommenheit vollkommen. In seiner Lebensfeindlichkeit lebendig. Jenseits von Sinnfragen.

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