Dienstag, 20. November 2012

Fragment: Die Nacht


In der Nacht sehe ich die silberne Scheibe des Mondes, eingebettet in Wolken mit Splittern von Sternen. Verteilt über ein Firmament in blauschwarzer Nacht. Dort wo der Himmel die Erde trifft wogen die Wellen in einer zähen grauen Masse, sodass die Grenze verschwimmt.
Ich sitze am Feuer und wärme meine Hände, während ich dem Prasseln lausche und der Wind seine Geschichten über die See und die Insel hinausheult. Hinter mir ragen die zerklüfteten Klippen in die Höhe, Statuen der Uralten. Zeugen aus einer anderen Welt, auf deren rauer Haut unsere Schatten flackern wie in einem Puppentheater.
Es ist kühl aber nicht kalt. Ich blicke in die Weite der aschfahlen See soweit das Licht des Feuers reicht. Die Menschen haben die Dunkelheit seit jeher gefürchtet. Sie verbirgt die Realität und malt Trugbilder in die Nacht. Wie ein Magier, den man nicht sieht, verwandelt sie vertraute Gegenstände in etwas Fremdes. Mir fröstelt und ich wärme mich am Feuer. Es vertreibt die Geister. Der älteste Freund des Menschen.

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