Dienstag, 27. November 2012

Ein Tag mit Demeter


Blitzende Scheinwerfer vor einer Industriekulisse. Ilixsträucher und Buchsbaumhecken umrahmen kostbare Eigenheime.In den Gullideckeln und den Reflektorstreifen auf den Jacken der Müllmänner spiegelt sich das grelle Halogenlicht der Strassenbeleuchtung. In der Ferne über kahlen Baumkronen brechen die Wolken auf. Dunkles Grau, durchschimmernd mit azurblauem Himmel. Ein neuer Morgen im November.
Auch wenn der Dienstagmorgen dem Frühmittelalter und seinen gewalttätigen Bewohnern gewidmet ist, sind meine Gedanken im antiken Griechenland. In jener Zeit als Religion zwar allgegenwärtig war, aber nicht versuchte das Geschick der Menschen zu diktieren. Alle Ideen, alle Gedanken, alle Taten waren durch Götter beeinflusst. Sie waren die Erklärung, nicht die Einweisung. Abbilder der Menschen, ebenso jähzornig und zerstritten. Aus der Antike hat das Christentum vieles annektiert. Verfolgte wurden in Heiligtümern ebenso aufgenommen wie später in den Kirchen. Gewalt auf dem Temenos (dem Besitz der Gottheit) war ein Frevel gegen den jeweiligen Gott. Apollontempel standen für Weisheit. In Ihnen wurden Gesetzestexte veröffentlicht und Orakel gegeben. Asklepios heilte Krankheiten bevor es Jesus tat und überdauerte die Jahrtausende in Form von Aeskulapstab und hippokratischem Eid. Handwerker und Erfinder fanden ihr göttliches Ebenbild in Hephaistos. Er stellte die Rüstungen der Heroen her und war der Schutzpatron der Schmiede. Die manifestierte Zähmung des Feuers in der Metallurgie.
Die olympischen Spiele fanden zu Ehren des Zeus statt und es war selbstverständlich, dass niemand im Heiligtum von Olympia die Waffen gegen seinen Feind erhob. Egal welche Differenzen und Konflikte an anderer Stelle der Karte ausgetragen wurden.
Am Interessantesten jedoch ist Demeter. Die urtümliche Fruchtbarkeitsgöttin und Mutter der Persephone, welche von Hades entführt wurde. Sie war die einzige Göttin, die Tantalus Schwindel nicht erkannte. Sizilien, die Kornkammer der Antike, ist ihr Herrschaftsgebiet. Sie passt nicht in dieses Pantheon. Ihre Mythologische Abstammung von Kronos und Rheia deutet bereits an, dass sie einem viel älteren Kult entstammt. Oft wird sie auch mit Gaia, der Mutter Erde, gleichgesetzt. Eine Naturgöttin, die gibt und nimmt.
Es zeigt welche Vorteile der Polytheismus gegenüber dem Monotheismus hat. Er ist wandlungsfähig, muss sich nicht an Sätze aus einem Buch klammern. Das machte die religiöse Freiheit in der griechisch-römischen Antike aus. Die Existenz mehrere Götter entmachtet den Einzelnen, was dem Menschen die Wahl lässt.
Auch wenn man die Opferkultur vielleicht aus heutiger Sicht als primitiv ansehen kann, denke ich, dass unsere heutige Gesellschaft auf den vorgelegten Fußspuren der Antike geht. Man sieht es an der (sportlichen) Agonie und der Freiheit der Kunst. An Wettbewerben und Spiel.
Lange Rede kurzer Sinn: Endlich ist die Präsentation zum Demeter-Malophoros-Heiligtum in Selinunt fertig, jetzt nur noch am Donnerstag mit möglichst geringem Nervositätsspiegel vortragen und eine weitere Hürde im Semester ist geschafft:D

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