Samstag, 20. Oktober 2012

Fragmente: Traum


Der Strand zieht sich in einer dünnen Line zum Horizont. Weißer Schaum schwimmt in der Brandung. Treibgut, halb im Sand vergraben zeichnet die Küstenlinie nach. Hinter mir Felsklippen, ein prähistorisches Riff aus erodiertem Kalkstein. Chaotische Muster aus eckig splitterten Mineralien. In der Ferne geht die Sonne unter und ich frage mich, ob ich diesen Ort verlassen sollte. So kurz vorm Ziel und so nah am Scheitern. Ich hätte hinausfahren sollen, doch etwas hält mich zurück. Etwas muss noch erledigt werden.

Ich sehe hinaus in die Ferne. Sanfte Wellen. Die dunkle Oberfläche kräuselt sich im Licht der untergehenden Sonne. Dort draußen liegt das Ziel. Ich rieche die frische Seeluft und schmecke das Salz. Im Sand wird eine Muschelschale freigespült. Sanft rosa schimmernd zwischen feuchten Kieseln und einem Algenstrang. Ich betrachte sie eine Weile, nehme mir die Zeit ihre Farben zu bewundern, ihre Form zu fühlen. Haben wir das nicht seit jeher getan? Versucht die Welt zu verstehen? Sie in abstrakte Gedankenkonstrukte übertragen, diese erweitert und verworfen. Ihnen Namen gegeben, Formeln, Zahlen, Masse. In meiner Hand fühlt sich die Schale kalt an, ihre Ränder sind scharf geschnitten, die gebogene Oberfläche gerippt wie ein Wellblechdach. Wo die Rillen in einem Knoten zusammenlaufen zwei eckige Flügel die an versteinerte Flossen erinnern. Mein Gehirn fügt die einzelnen Informationen zu einem Bild zusammen, das katalogisiert und mit den Erinnerung meines Verstand abgeglichen wird. Das automatisierte Lösen eines Puzzles. Teil für Teil. Unsere Welt wird in unserem Gehirn zusammengesetzt. Sinn für Sinn. Teil für Teil.

Meine Schritte hinterlassen Spuren im feuchten Sand. Ich bin alleine in dieser Welt und genieße die Stille, lausche dem Takt, der in meiner Brust schlägt, und der Musik des Wassers. Frei von Regeln, frei von Schmerz, frei von Gier. Doch etwas fehlt und mein Herz pocht während ich an meine Feuerstelle zurückkehre um nachzudenken.

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