Montag, 1. Oktober 2012

Europäischer Depressionstag



Depression ist eine Krankheit, die alles ersticken kann: Beziehungen, Motivation, Lebenskraft. Depressive geraten häufig ins Kielwasser unser auf Ellbogen orientierten Leistungsgesellschaft. Dort werden sie eine Zeit lang mitgezogen bis schließlich alle Seile reißen und sie sich in einer Grube verlieren, aus der sie nicht mehr herauskommen, was schlimmstenfalls im Suizid enden kann. Diese Krankheit ist für die Gesellschaft nicht leicht zu akzeptieren und wird deswegen oftmals als Tabu verdrängt. Es gerät erst wieder in Fokus der Aufmerksamkeit, wenn der nächste junge Mensch vor seinem Burn-Out zusammenbricht, von der Brücke springt oder sich die Pulsadern aufschneidet.
Die Antwort darauf ist selten die Chemie, denn sie behandelt nur die Symptome, erstickt den Schmerz, behandelt aber nicht die Ursache des Problems. Doch Therapieplätze sind rar gesät, weil die Depression zur Modekrankheit geworden ist und die Politik es trotz monatelanger Wartelisten immer noch nicht auf die Reihe bekommt die gesetzlich verankerte Begrenzung für psychiatrische Praxen aufzuheben. Wahrscheinlich hat auch das mit Verdrängung zu tun, mit dem Gedanken, das die Welt funktionieren muss, auch wenn sie es das nur auf der Bühne der Öffentlichkeit tut. Wenn man sieht, dass ,am Menschen nicht kontrollieren kann, versuchst man ihnen einzureden, dass sie nicht so sind wie sie sind. Wenn das nicht funktioniert, redet man sich die Situation selbst schön, wie sie nicht ist, und ist schockiert, wenn man schließlich mit der Wahrheit konfrontiert wird. Deswegen erscheint es unserer Gesellschaft so schwierig, Depressive zu verstehen, weil wir uns gar nicht erst auf die Problematik einlassen wollen.
Ich musste einmal ansehen wie ein mir nahe stehender Mensch an diese Krankheit verloren ging. Heute ist er wie neu geboren und hat die Depression besiegt. Auch ich hatte meine schwierigen Phasen während meiner Schulzeit, auch wenn ich sie nicht als ausufernde Depression bezeichnen würde. Ich habe mich ohne psychiatrische Hilfe (außer man zählt die Kunst und meine Metamorphose vom zweifelnden Christen zum buddhistisch geprägten Atheisten hinzu) wieder heraus gewunden und sehe die Welt heute mit anderen Augen. Gleichzeitig ist es mir aber bewusst geworden, dass das ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr jeder schafft. Deswegen ist es wichtig das Tabu zu brechen und die weitverbreitetste Krankheit der Moderne öffentlich zu thematisieren.

Gute Arbeit kann das beste Antidepressivum sein

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