Dienstag, 2. Oktober 2012

Ab Heute Vegetarier


Ich habe lange überlegt, Vegetarier zu werden aus verschiedenen Gründen. Ein Freund, der Veganer wurde, hat mich zum Nachdenken angeregt. Eine Reportage, die gestern im Fernsehen lief war schließlich der endgültiger Auslöser. Ab Heute werde ich ohne Fleisch leben.
Vorweg: Ich bin kein Öko-Esoteriker. Jagd und Tod sind fest im System der Natur verankert. Tiere wissen das, Jäger- und Sammlergemeinschaften auch. Räuber wie Beute passen sich deshalb an und liefern sich dabei einen Wettlauf in der Evolution. Ohne Fleischkonsum und unser Dasein als Omnivoren (Allesfresser) wären wir wohl nie zu dem geworden, was wir heute sind. Gäbe es keine Fleischfresser würde außerdem ein wichtiger Faktor wegfallen, um den Tierbestand zu regulieren. Es würde immer mehr Kaninchen, Rehe, Rinder etc geben. Die würden Wälder und Ebenen kahl fressen, an ihrem Hunger schließlich krepieren und am Ende sähe unser Planet aus wie der Mars - auch völlig ohne menschliches Zutun. Dass Tiere regelmäßig sterben, hat also durchaus seinen Sinn. Daher bin ich auch im Prinzip nicht dagegen Fleisch zu essen.

Das Problem im Fleischkonsum unserer Gesellschaft ist, dass der Mensch aus diesem Raster gefallen ist. Fleisch ist Genussmittel wie Tabak und Alkohol, nicht mehr biologischen Notwendigkeit. Die Weltbevölkerung direkt über Ackerbau zu ernähren wäre bei weitem effizienter. Über 70% der weltweiten Ackerbauflächen werden für die Produktion von Tierfutter genutzt, Fläche die für Nahrungsmittel in der jeweiligen Region nicht zur Verfügung stehen. Überschüssiges Fleisch wird zurück in Entwicklungsländer exportiert und zerstört durch den Verkauf unter Produktionspreis die heimischen Märkte. Die Folge: Menschen hungern und sterben für unsere Genussmittelgesellschaft. Dazu kommt die Fragwürdigkeit der Massentierhaltung, die Überdüngung und Vergiftung der Umwelt durch Gülleüberschüsse und die Methanproduktion, dessen Klimaschädlichkeit um ein vielfaches höher ist als bei Co².

Hinzu kommt der gesundheitliche Aspekt. Übergewicht und Herzinfarkt sind eine Sache, die bereits in vielen Köpfen angekommen ist und gekonnt ignoriert wird. Ein anderer gesundheitlicher Aspekt findet weniger Beachtung und liegt in der Problematik der Massentierhaltung an sich begründet. Tiere, in Massen gehalten und hochgemästet, entwickeln nur ein schwaches Immunsystem. Die Folge: Die Tiere werden mit Antibiotika vollgepumpt. Dass sie dadurch auch noch schneller Fett ansetzen sei ein positiver Nebeneffekt, der aber immer öfter den wahren Grund unter dem Deckmantel der Krankheitsabwehr darstellt. Was bedeutet das für uns? Nun um es salopp zu formulieren: Wir basteln an unserem eigenen Untergang.
Denn wovor sich der Mensch nur zu gerne die Augen verschließt, die Zahnräder der Evolution drehen sich im Anthropogen, im Zeitalter des Menschen, weiter und bei Bakterien und Viren drehen sie sich deutlich schneller, als bei höher entwickeltem Leben. Antibiotika sind keine dauerhafte Lösung für Krankheiten, sie stellen nur eine weiter Herausforderung dar. Diese Rätsel hat die Natur bis jetzt immer gelöst. Es gibt Bakterien im Eis der Antarktis, an Magmaquellen und an schwarzen Schloten in der Tiefsee. Eine Resistenz gegen Antibiotika ist da ein eher leichtes Spiel. In Krankenhäusern sterblich jährlich Menschen an Infektionen mit multiresistenten Keimen. Mit dem übermäßigem (und überflüssigem) Einsatz von Antibiotika schütten wir weiter Korn in die Mühle. Generationen von Mikroben sterben und irgendwann wird sich schließlich die eine Mutation ereignen, welche die nächste Seuche hervorrufen wird. Katastrophenszenario? Weltuntergangsschwachsinn? Zukunftsmusik?
Es ist keine Paranoia oder Verschwörungstheorie, sondern pure Logik. Es ist keine Frage ob, sondern wann. Wir sind dabei unser wirksamsten Mittel zu Bekämpfung von Seuchen wegzuwerfen. Denn ohne Antibiotika bleiben uns als einzige Mittel zur Bekämpfung von Bakterien Feuer, Kälte und Säure und versucht mal einen Kranken damit zu behandeln.
Bei Viren ist die Problematik ähnlich, aber anders begründet - denn wie wir alle wissen sollten helfen AntiBIOtika nur gegen Bakterien. Doch auch für Viren bietet die Massentierhaltung exzellente Bedingungen, um die eigene Evolvierung voranzutreiben. Denn Viren vermehren sich über Wirtszellen, da es sich bei ihnen um kein richtiges Leben handelt - Während der Infektion einer Zelle mit verschiedenen Virentypen kann es somit unter anderem zur Mutation und auch zur Vermischung von RNA kommen, woraus letztendlich neue, im schlimmsten Fall tödliche Krankheitsauslöser werden.
Was hat das nun mit der Massentierhaltung zu tun? Nun zum einen bildet das Gedränge einzelner Individuen eine optimale Verbreitungsmöglichkeit. Ich habe bereits weiter oben über die Problematik von Monokulturen geschrieben. Ist eine Maispflanze vom Rüsselkäfer betroffen, sind es es nach zwei Wochen alle auf dem Feld. Ist ein Huhn von einem artspezifischen Virus befallen sind es nach schätzungsweise zwei Tagen alle im Stall. Gegen Insekten können sie chemisch oder biologisch vorgehen, gegen Viren nicht.
Außerdem bietet der enge Kontakt vom Mensch zum Tier direkte Möglichkeiten zum Austausch von RNA zwischen den Arten und zum Entstehen von Virenbastarden. Aufzuhalten ist eine Virusepidemie kaum, außer einer Impfung gibt es keine Möglichkeit sich vor einer Infektion zu schützen und direkte Behandlungsmethoden wie bei einer bakteriellen Krankheit gibt es keine.
Nun mögen Schweine- und Vogelgrippe ein Witz und mediale Panikmache sein. SARS, wenn sich einige an die Schlagzeilen noch erinnern können, war es nicht. Alle drei Mutationstypen sind aus dem Kontakt vom Mensch zum Tier und in der Brutkammer der Massentierhaltung entstanden.

Es gibt also viele Gründe für ein Leben als Vegetarier, die abseits des öko-esoterischen Humbugs stehen und auf logischen Argumenten fußen. Mich hat es überzeugt: Man lebt günstiger, man lebt gesünder und man tut etwas, um die Welt ein Stückchen besser zu machen.

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