Samstag, 15. September 2012

Pfad der Erkenntnis


Ich habe lange überlegt ob ich zum Überfall auf US- und andere Botschaften, bloggen soll und dann lange gezögert, um es schließlich doch zu tun. Dieses Thema beschäftigt sich mehr, weil es den Kern meiner Kritik gegenüber den Religionen trifft. In gewisser Weise ist es dieses Verhalten, was mich aus der Kirche getrieben hat und was mich beim Gedanken an - monotheistische - Religion, die sich als einzige Wahrheit am Himmel betrachten, meistens nur Abscheu empfinden lässt. Es ist schwierig Menschen, die mit ihrem einen Glauben aufgewachsen sind, diese Denkweise klar zu machen, wenn sie nicht dieselben Brüche erlebt haben wie ich. Ich will auch gar nicht verstanden werden. Nur eines soll gesagt werden: Es gibt keine richtige Lehre, also misstraue deinen Lehrern. Religion, das Hinterfragen der eigenen Existenz, des Ursprungs vom Leben. Diesen elementaren Fragen soll man sich stellen, aber man muss es allein tun. Man muss den Weg der Propheten selbst gehen, um Weisheit, die diese gewonnen haben zu erreichen oder zu scheitern.
Wenn man das Denken anderen überlässt, erzeugt man Abhängigkeit. Man flüchtet sich ebenso in ein Papierkartenhaus wie jemand, der nach Onlinerollenspielen süchtig wird. Um es noch deutlicher zu formulieren: Dogmatismus tötet den Verstand, ebenso wie Sucht.
Das gilt für Christen und Muslime ebenso wie für Kommunisten und Nazis. Das Internetvideo, indem Mohammed verunglimpft worden sein soll, wurde von christlichen Fundamentalisten produziert und war eine gezielte Provokation. Die aufgebrachte Menge wiederum hat überreagiert und unschuldige Menschen getötet - darunter sogar einen der größten Verfechter des arabischen Frühlings. Beides ist auf die Überbewertung der eigenen Religion zurückzuführen. Es ist der Ansicht zu verdanken, dass man glaubt, die einzig wahre Religion zu vertreten und dass alle anderen Ungläubige sind, nur weil sie zu anderen Schlüssen gelangt sind. Religion ist eine Sache des Geistes und sollte es auch bleiben. Keine Missionierung, keine Bekehrung, keine Zwangsinitierungen (Taufe, Beschneidung im Kindesalter) und gleichzeitig die Stärke, über Spott hinwegzusehen.
Wenn ich nun sehe wie ein wütender Mob junger Muslime amerikanische Flaggen verbrennt und Botschaften stürmt, nur weil irgendwelche Fundamentalisten gezielt provozieren wollten und die Randalierer ihnen dann auch noch den Gefallen tun zu reagieren, denke ich, wie auch wenn ich Fußballultras, Neonaziglatzen oder Autonome sehe, an einen Affenkäfig. Schimpansen, die sich gegenseitig mit Scheiße bewerfen, weil sie am Tag nichts anderes zu tun haben, weil sie ihr Leben als öde empfinden und glauben schließlich einen höheren Sinn gefunden zu haben. Sie haben sich den Verstand durch Litaneien anstatt durch Alkohol weg gesoffen. Sie sind abhängig von charismatischen Witzfiguren, die so viele Widersprüche in sich vereinen wie der Heroinsüchtige Ausreden sucht, um sich vor sich und seiner Umwelt zu rechtfertigen. Dass sie krank sind, sehen sie nicht ein. Diskutieren ist sinnlos, wenn einem Worte verdreht zurückgeworfen werden und wenn man durch Floskeln, die man auf Seite 587 in einem 2000 Jahre alten Geschichtsband findet, noch den letzten Mist reininterpretieren kann.
Zu diesem Thema gibt es in einem Buch ("Ich weiß, was du denkst" von Thorsten Havener), das ich momentan lese eine interessante Stelle: "Die Welt ist das, wofür wir sie halten." Wenn man glaubt, richtig zu glauben, wird man immer einen Schlupfwinkel finden, um sich vor Kritikern zu rechtfertigen. Schließlich kann man Gott ja nicht persönlich nach seiner Meinung fragen. Praktisch für Schimpansen, die sich gerade mit Scheiße bewerfen wollen, weil ihnen der Sinn danach steht.
Deswegen mein Appell an die Menschheit, oder zumindest an diejenigen die sich die Mühe gemacht haben diesen Blog zu lesen, verlernt nicht zu denken und zu hinterfragen. Die wertvollste Errungenschaft der Menschheit ist weder Gott, noch Feuer und Metall, noch Ideologie und Gesellschaft, es ist sein Verstand. Ich habe lange gebraucht, um diese Erkenntnis zu gewinnen. Ich musste Irrwege gehen und mich selbst hinterfragen und tue es heute immer noch, das ist der Weg, die Sinnsuche. Gedankenspiele sind für mich zu einem Sport geworden, genauso wie ich im Fitnessstudio trainieren gehe.
Dass es wichtig ist den Geist zu befeuern, anstatt ihn in der Flucht in die Sucht (wie ähnlich sich diese Worte sind) zu ertränken, ist der zentrale Gedanke der hinter Siddhartha  Gautamas Erleuchtung steht. Diese Erkenntnis verdanke ich weder Jesus noch Mohammed oder Moses, sondern Buddha. Durch ihre Gewaltexzesse in der Geschichte haben die drei Weltreligionen für mich ihre hervorgehobene Bedeutung, die sie eigentlich nie hatten, schon lange verloren. Sie reihen sich nun in das Kabinett der Mythologie ein, zwischen Thor, Odin, den Naga des Hinduismus, den Tiergeistern der nordamerikanischen Ureinwohner und den Gestaltwandlern der Inuit. Es sind wertvolle Geschichten, stilisierte Lehren und Mahnmale der Geschichte, Kunst. Es ist ihr Inhalt, der zählt, nicht die Protagonisten. Wenn man sich nur einmal Zeit und Raum nimmt erkennt man, dass man genau so gut an Feen und Trolle, Anubis und Horus oder an das fliegende Spaghettimonster glauben kann wie an Gott.  Alles kann man annehmen und weder beweisen noch widerlegen.


Ich hoffe ich konnte einige Denkanstöße geben.

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