Freitag, 28. September 2012

Kanzler Steinbrück?


Ob das Tuch der Troika nun absichtlich gefallen ist oder ob einer von der Mitwirkenden gestolpert und die K-Fragen-Maskerade der SPD vorzeitig beendet hat, sei dahingestellt. Es steht fest, Steinbrück wirds. Ob auch er eine kluge Wahl ist, steht auf einem anderen Blatt. Taktisch gemessen macht er, zumindest im Vergleich zum unpopulären Schnellschussrevolverhelden Gabriel, eine gute Figur. Kennt er sich doch aus mit dem Geld und den Mechanismen der Märkte, die gerade dabei sind Europas Politiker im Würgegriff zu halten. Ein Mann, der wie gemacht scheint für die Eurorettung, wo die Physikerin Merkel auf ihre Berater vertrauen muss - auch wenn sie trotzdem einen guten Job macht (Das muss man ihr zugestehen, auch wenn man wie ich eher dem politischen Gegner zugeneigt ist).
Steinbrück ist ein Mann, der in seiner Karriere gerade bei heiklen Themen wie Agenda Hartz 4 oft angeeckt ist. Ein Mann, dessen politischer Zeiger auf der Skala von sozialer Gerechtigkeit zu sozialer Kälte häufig zu letzterem neigte. Meiner Meinung nach wäre Steinmeier der bessere Kanzlerkandidat gewesen, denn er versteht es nicht nur Sachkompetenz zu vermitteln, sondern auch sich sozial zu präsentieren.  Ich formuliere es absichtlich so vorsichtig, weil ich mir nicht anmaßen möchte zu behaupten, dass er für eine bessere Politik stünde. Das wäre ein naiver Schluss, der in unserer Gesellschaft leider viel zu oft begangen wird. Wir sehen auf die Augen, den Mund, das Make-Up und die Kleidung des Magiers, achten auf die Stimme und missachten die Hände, weil die äußere Erscheinung uns im Bann hält.
Hoffentlich lenkt Steinbrück die SPD nicht wieder zurück in Grube, die Schröder einst ausgehoben hatte und aus der die Ex-Arbeiterpartei seitdem nicht mehr richtig herauskam. Das Ergebnis waren das ewige politisches Racheanhängsel Oskar Lafontaines, das sich seitdem mit großen Tönen in den Medien profilieren kann, für die Probleme aber auch keine sinnvollen und realistischen Lösungen anzubieten hat und dem Gedanken sozialer Gerechtigkeit  damit auch nicht mehr dient als die Verantwortlichen der Agenda 2010.
Populismus verkauft sich immer, Wahrheiten sind Ladenhüter. Nach den Wahrheiten wird immer erst geschrien, wenn das Blendwerk der großen Worte und Wahlkampfslogans Jahre später verpufft. Darin suhlt sich der Bürger nur allzu gern, nur wenn Köpfe rollen sollen für die begangenen Fehler, will es keiner mehr gewesen sein und Schuld sind sowieso immer die Anderen. Die aktuelle Krise in Spanien, Griechenland und Italien liegt darin ebenso begründet wie die Wahlerfolge und -abstürze von Linken und FDP.

Sie reihen sich ein in das Kabinett der politischen Fehler und öffentlichen Selbstmorde und die Theoretiker, die sich vorher nicht trauten ihr Wissen in die Öffentlichkeit zu bringen (oder schlichtweg überhört - überblendet - wurden), etikettieren schließlich die Pappschilder an den Ausstellungenstücken mit Sprüchen wie "Hartz4 - Disaster, verarmte Bevölkerung", "Immobilienblase geplatzt" oder "Eurorettung - alternativlos". In diesem Sinne ist der Logiker Steinbrück vielleicht doch keine schlechte Wahl.

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