Mittwoch, 15. August 2012

Mogelpackung E10

E10, hinter diesem Kürzel verbirgt sich eine ganze Menge. Faktisch gesehen ist E10 Benzin, das mit 10% Bioethanol versetzt wurde. Dadurch sollen laut EU, Regierung und Mineralölkonzernen die Treibhausemissionen gesenkt werden. Wenn man genauer darüber nachdenkt - da ich vorhin in den Nachrichten wieder einmal davon hören musste - ist es ein zynischer, schlechter Witz. Man könnte genauso gut dem Papst erzählen - Verzeihung wegen der blasphemischen Äußerungen, aber das liegt einfach in meinem Charakter -, er solle seinen Kammerdiener wegen der Weitergabe von vertraulichen Dokumenten wegsperren und ihn durch einen willfährigen ersetzen - An den Korruptionsvorwürfen, die dadurch publik wurden, ändert es nichts.
Um den schlechten Witz besser zu verstehen, muss man sich klar machen, was Bioethanol ist. Ethanol wird aus Biomasse destilliert, de facto entsteht es aus pflanzlichem Material, das man in einen Kübel geschüttet und Hefepilzen zum Fraß vorgeworfen hat. Dabei geschieht im Grunde dasselbe wie bei der Bier- oder Weinherstellung: Zucker wird zu Alkohol. Als Rohstoff für die Herstellung rentieren sich daher zucker- und stärkehaltige Pflanzen wie z.B. Mais und hier liegt der Haken, der von Politik und Industrie unter den Teppich gekehrt worden ist.
Nur 12% der Fermentationsmasse - im Bierbraugewerbe: Maische - wird in Alkohol, sprich Ethanol, umgewandelt. Das führt dazu, dass große Mengen benötigt werden um genügend reines Ethanol für unsere Tankstellen zu gewinnen. Aus Tonnen von geerntetem Mais wird also im Endeffekt nur ein Bruchteil zu Brennstoff, eine Ernte die anderswo fehlt. Sie verdrängt den Nahrungsmittelanbau, was vor allem während einer Dürreperiode, wie sie momentan in Amerika und anderen wichtigen Maisproduktionsländern vorherrscht, und in Entwicklungsländern, die durch den Weltmarkt zum Anbau von diesen "Cash Crops" - also Exportgütern, die nicht für die Eigenversorgung genutzt werden - gezwungen sind, zu Problemen und Nahrungsmittelknappheit. Abgesehen davon ist Mais eine sensible Pflanze, die Unmengen an Dünger, Wasser und Pflanzenschutz benötigt - je nach Anbauland ist daher "Bio" ein ziemlich dehnbarer Begriff.

Wir sparen also CO² ein, um eine EU-Richtlinie erfüllen zu können und uns als Umweltschützer zu fühlen und verbrennen dabei Lebensmittel, während Leute an anderen Stellen des Globus verhungern. Von giftigen Nebenprodukten, die bei der Verbrennung von Maisethanol - bedingt durch Dünger und Pflanzenschutz - entstehen, einmal ganz zu schweigen. Eine viel versprechende Alternative wäre die Gewinnung von Ethanol aus Cellulose, die sich in der Entwicklung befindet und sich noch - wie so oft ausschlaggebend in der Wirtschaft - nicht rentiert. Sie birgt aber das Potenzial günstiger, umweltschonender und sozialverträglicher zu sein, da das Rohmaterial nicht aus Agrarpflanzen, sondern aus jeglichen Pflanzen und Pflanzenteilen gewonnen werden kann, die im Anbau weniger Fläche brauchen und anspruchsloser sind.

E10 aus Maisethanol ist und bleibt also keine Lösung und ist reines Lobbymarketing für die Mineralölkonzerne, egal wie schön der "Biokraftstoff" geredet wird.

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Bioethanol

http://de.wikipedia.org/wiki/E10_(Kraftstoff)

http://www.heise.de/tr/artikel/Umweltschaedliches-Maisethanol-276151.html

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen